Vorlesetag 2017 AfD-Politiker sollen in Kitas auftreten

Politiker lesen Kindern vor: kein ungewöhnliches Bild am "Vorlesetag". In diesem Jahr wurden auch AfD-Politiker in die Kitas und Schulen eingeladen - und der Ärger ist groß.
Schülerinnen und Schüler am Vorlesetag 2016

Schülerinnen und Schüler am Vorlesetag 2016

Foto: Roland Weihrauch/ picture alliance / dpa

Am 17. November ist wieder der sogenannte Bundesweite Vorlesetag - der gemeinsame Aktionstag von Stiftung Lesen, Deutsche Bahn Stiftung und "Die Zeit". Ziel ist es, vor allem Kinder fürs Lesen zu begeistern, mit Aktionen in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken oder Buchläden.

Im vergangenen Jahr freuten sich die Veranstalter noch über nach eigenen Angaben "135.000 Vorleseaktionen - darunter mehr als tausend Lesungen von Politikerinnen und Politikern". In diesem Jahr sorgt aber gerade die Beteiligung von Politikerinnen und Politikern für Streit - denn die Stiftung Lesen hat auch AfD-Mandatsträger eingeladen, am Vorlesetag 2017 mitzuwirken.

Die Stiftung Lesen mache durch die Einladung "den Bock zum Gärtner", kritisierte die Präsidentin des deutschen Ablegers des Schriftstellerverbandes PEN, Regula Venske. "Nach Auffassung des deutschen PEN sind die Grundsätze der AfD, die sich gegen die bestehende kulturelle Vielfalt und Toleranz richten, nicht vereinbar mit den an Schulen und Kitas vertretenen und unsere Gesellschaft bereichernden Leitbildern."

"Kitas und Schulen sollen selbst entscheiden"

Tatsächlich heißt es auch in den Leitlinien der Stiftung Lesen: "Sie schließt die Zusammenarbeit mit Parteien, Institutionen und anderen Gruppen oder Einzelpersonen, die antidemokratisches, rassistisches, fremdenfeindliches oder diskriminierendes Gedankengut vertreten oder verbreiten, aus." Mit ihrer an Politiker "von fragwürdiger politischer Couleur und Gesinnung" gerichteten Einladung habe die Stiftung Lesen ihren eigenen Grundsätzen widersprochen, so PEN-Präsidentin Venske.

Die Stiftung hält auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE dagegen, dass man in den vergangenen Jahren die NPD ausdrücklich von den Einladungen ausgeschlossen habe, da diese "nachweislich verfassungsfeindlich und undemokratisch" sei. Bei der AfD wollte die Stiftung Lesen diesen Schritt aber nicht vollziehen.

Die drei Initiatoren des Bundesweiten Vorlesetags, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der Stiftung Lesen, seien sich einig, "dass zwar alle demokratisch legitimierten Parteien einen Hinweis auf den Bundesweiten Vorlesetag erhalten - dass aber die Kitas und Schulen selber entscheiden, ob und mit welcher Politikerin oder welchem Politiker sie eine Vorlesestunde durchführen."

hpi
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