Wimmelbuch-Zeichner Mitgutsch "Ich will nicht, dass meine Bücher grunzen"

Nerven Sie sprechende, hupende und singende Kinderbücher? Es besteht noch Hoffnung. Denn Autor Ali Mitgutsch stellt klar: Seine berühmten Wimmelbücher wird es gedruckt nicht mit Ton geben.

Mitgutsch mit Wimmelbuch (Aufnahme von 2005): Es geht auch ohne Digitalisierung
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Mitgutsch mit Wimmelbuch (Aufnahme von 2005): Es geht auch ohne Digitalisierung


Für Fans von Wimmelbüchern sind die Bilder darin ein kleines Wunder. Noch nach Jahren entdeckt man in den Bilderbüchern plötzlich ein Detail, das einem vorher nie aufgefallen ist. Die Wimmelbücher von Ali Mitgutsch sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil in Kinderzimmern. Sie haben keinen Text und leben allein von den Szenen auf den Bildern.

Das soll nach Meinung des Autors zumindest bei den gedruckten Büchern auch so bleiben - obwohl auch sie die perfekte Spielwiese für Digitalentwickler wären. Solchen Neuerungen steht der 79-Jährige aber skeptisch gegenüber. "Es gab mal das Ansinnen, die eigentlichen Wimmelbücher mit Effekten aufzuwerten - beispielsweise mit einem beiliegenden Stick", sagte Mitgutsch der "Welt am Sonntag". "Wenn man damit auf das Bild einer Kuh oder eines Schweines getippt hätte, hätte es gemuht oder gegrunzt."

So etwas habe er immer abgelehnt, sagte Mitgutsch. "Das Buch als solches ist mir eigentlich genug. Ich will nicht, dass meine Bücher quaken oder grunzen." Völlig verschont von der Digitalisierung bleibt aber auch Mitgutschs Werk nicht. Für Tablets gibt es von seinen Kinderbuch-Bestsellern bereits Apps.

Der Zeichner, der am 21. August 80 Jahre alt wird, hat eine Erklärung, wieso er seine charakteristischen Bilderwelten schuf. In seiner Kindheit habe er unter Einsamkeit gelitten, erzählte er. "Vielleicht habe ich deshalb so viele gesellige Kinder gezeichnet, weil ich als Kind immer alleine war", sagte der Künstler. Seine große Sehnsucht sei es gewesen, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Seine Bilder zeigten "kleine soziale Inseln", wo niemand verloren gehen könne. "Die Kinder in meinen Bildern halten zusammen", sagte Mitgutsch.

mmq/dpa/afp

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insgesamt 20 Beiträge
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KingCrimson 09.08.2015
1. Ist zwar Off-Topic ...
... Aber ich habe selten einen besseren Hulk Hogan Doppelgänger gesehen ;-)
Überntellerrand 09.08.2015
2. Als Pädagogin...
bin ich wirklich froh, dass er so standhaft bleibt. Diese quasselnden Bücher eignen sich hervorragend, schon die Vereinsamung der Jüngsten, vor den digitalen Medien sitzend, zu fördern. Das Kind allein, mit einem sprechenden Stick in der Hand. Klarer Vorteil für Eltern, die meinen sie hätten keine Zeit. Klarer Nachteil für die Kinder. Ein Hoch auf die Wimmelbücher!
mannvonnebenan 09.08.2015
3.
Mein Tipp: Für alle, die mehr über die Münchner Kindheit von Ali Mitgutsch erfahren möchten: es gibt seit kurzem ein Buch von ihm dazu: "Herzanzünder - mein Leben als Kind". Sehr humorvoll, aber auch schonungslos. Er ist einfach ein toller Künstler.
sommerinoberfranken 09.08.2015
4. Kindheit
Ja, da kommen viele schöne Erinnerungen hoch: stundenlange Wimmelbuchnachmittage bei Regen und Schnee und bei gutem Wetter hat man das Ganze dann draußen live nachgestellt... Danke, lieber Ali Mitgutsch. Danke auch für Ihr jüngstes (Nichtwimmel)Buch: für Ihre Kindheitserinnerungen mit dem schönen Titel "Herzanzünder", in denen Sie auf so packende Weise von Ihrer Kindheit und Jugend in München berichten und die ich heute ebenso verschlungen habe wie damals Ihre Bilderbücher!
jetlag chinaski 09.08.2015
5. danke!
Nichts anderes erwartet.. Mein Güte, wie ich diese Audio-Bilderbücher ablehne. Elektroschrott und nervtötend.
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