"Zack"-Comicmagazin Blueberry reitet wieder

Zwanzig Jahre nach dem Aus feiert "Zack", das legendäre Comicmagazin der siebziger Jahre, jetzt neue Erfolge mit alten Helden - aber einem völlig neuen Gesicht.
Von Jörg Schallenberg

Für alle Jungs, die damals so zwischen zehn und 16 Jahre alt waren, bot der Sommer 1980 zwei einschneidende Erlebnisse: Die deutsche Nationalmannschaft wurde dank Horst Hrubesch Europameister, und das Comicmagazin "Zack" stellte seine Produktion ein.

Acht Jahre lang hatte das Heft vor allem die bekanntesten Helden der französischen und belgischen Zeichner und Texter wie Greg, Paape, Graton oder Charlier präsentiert. 1972 startete der Springer-Verlag über seinen eigens für diesen Zweck gegründeten Ableger Koralle das Magazin, begleitet von mächtigem Werbegetöse. Schnell avancierte "Zack" mit Helden wie Lucky Luke, Leutnant Blueberry, Dan Cooper, Michel Vaillant oder Rick Master zum größten deutschen Comicmagazin, Mitte der siebziger Jahre überschritt die Auflage die 100.000er-Grenze. Doch insbesondere das flaue Anzeigengeschäft verhinderte, dass "Zack" jemals über längere Zeit schwarze Zahlen schreiben konnte. Auch die Umstellung von der 14-täglichen auf eine wöchentliche Erscheinungsweise, und auch das Einbinden damaliger Stars wie Kevin Keegan konnte das Aus bei ständig rückläufigen Verkaufszahlen nicht verhindern.

Für Martin Jurgeit aus Lehrte bei Hannover, der 1980 seinen zwölften Geburtstag feierte, war das Ende von "Zack" ein "sehr, sehr einschneidendes, traumatisches Erlebnis". Die Idee, die Legende wieder aufleben zu lassen, setzte sich bei ihm fest. Nach seinem Studium startete er das Szene-Magazin "Hit-Comics", und auf der Frankfurter Buchmesse 1998 knüpfte er erste Kontakte zu deutschen, französischen und belgischen Verlagen, um Autoren für sein Vorhaben zu gewinnen. Als der Springer-Verlag dann die Namensrechte zur Verfügung stellte und der Berliner Mosaik-Verlag mit einstieg, erschien das erste neue "Zack" unter dem Chefredakteur Martin Jurgeit im Mai 1999.

Auf dem Titelbild grüßte siegessicher wie einst der Rennfahrer Michel Vaillant, aber sonst hatte sich vieles geändert. "Zack" kostete nun fast neun Mark, erschien monatlich und war nur über den Fachhandel oder Bahnhofsbuchläden erhältlich. Auch der Inhalt knüpfte nur noch zu einem Teil an die bunten Abenteuer der Siebziger an. Zwar wurden fortan neben Michel Vaillant auch neue Geschichten von Dan Cooper, Cubitus oder Leutnant Blueberry gedruckt, daneben etablierte sich das Heft aber als Forum für deutsche Zeichner wie Walter Moers, Nachwuchstalente wie den Hamburger Till Lenecke oder die im Osten Deutschlands sehr beliebte Serie "Die Abrafaxe".

"Es ist klar, dass wir nicht da anfangen können, wo 'Zack' 1980 aufgehört hat", sagt Martin Jurgeit, "obwohl viele Leser gerne ihr altes Heft wieder hätten. Aber die Comicszene hat sich völlig verändert, und von vielen der alten 'Zack'-Heroen erscheinen keine neuen Abenteuer mehr." Nachdrucke aber soll es in der Neuauflage der Comiclegende nicht geben, denn Jurgeit versteht sein Heft keinesfalls als Wehmutblättchen für jene, die nur in der Nostalgie ihrer Kindheit schwelgen.

Geblieben ist das Prinzip, von verschiedenen Verlagen Serien zu sammeln, die dann in "Zack" erscheinen, bevor sie im jeweiligen Haus als Album veröffentlicht werden. Neben neuen Abenteuern zeichnet das Magazin vor allem ein starker redaktioneller Teil aus, der Berichte aus der Comicszene ebenso enthält wie ausführliche Hintergrundstorys zu Textern, Zeichnern und Geschichten.

Dieses deutlich erwachsenere Konzept scheint anzukommen: "Zack" hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auf eine Auflage von etwa 8.000 Exemplaren hochgearbeitet, was bei den schmalen Vertriebswegen beachtlich ist. Im Internet wird bereits heftig über das neue alte Heft diskutiert, und im Herbst erscheint als Testlauf für größere Vorhaben erstmalig ein Sonderheft zum Spielfilm "The Road To El Dorado" aus Steven Spielbergs DreamWorks-Studios. Der Lauf der Geschichte: Im Sommer 2000 vergeigt die Nationalmannschaft die EM, und "Zack" ist wieder da.

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