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Gestorben Ludwig Haas, 88

aus DER SPIEGEL 42/2021
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Revierfoto / picture alliance / dpa

Er war das wahre Urgestein der »Lindenstraße«: Von der ersten Episode von 1985 bis zur viertletzten mit der Folgennummer 1754 stand er für die ARD-Soap vor der Kamera. Beziehungsweise saß, denn seit 1989 war seine Figur Dr. Ludwig Dressler Rollstuhlfahrer. Niemand habe gewusst, warum Dressler nicht mehr gehen konnte, vertraute Hass vor zwei Jahren dem »Seniorenratgeber« an: »Eigentlich war verabredet, dass ich wieder aus dem Rollstuhl rausgeschrieben werde. Aber das hat man vergessen, und irgendwann war es zu spät dafür.« Das habe im Alltag immer wieder für Überraschungen gesorgt: »Guck mal, da läuft der im Rollstuhl« habe Haas nicht selten von Passanten zu hören bekommen. Im Lauf der Jahre machte sein zu Strippenzieherei und Tobsuchtsanfällen neigender Dr. Dressler viel durch: Alkoholsucht, ein schwieriges Verhältnis zu seinem Sohn, zum Schluss noch ein Hirntumor. Vielleicht war sein Darsteller wegen dieser Bandbreite auch nach Jahrzehnten noch zufrieden damit, die immer gleiche Figur zu spielen. Langweilig sei es jedenfalls nie geworden. Und die Bande waren eng: Der Erfinder der »Lindenstraße«, Hans W. Geißendörfer, war Haas' Trauzeuge. Wenn es dem gebürtigen Eutiner, der seine Schauspielausbildung in den Fünfzigerjahren in Hamburg absolvierte, doch nach einem Rollenwechsel war, gab er mehrfach den Adolf Hitler: Unter anderem trat er mit Schnäuzer und künstlicher Nase ausgestattet in der US-Produktion »Wie ein Licht in dunkler Nacht« mit Liam Neeson und Michael Douglas auf. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Ludwig Haas bereits am 4. September in seinem Wohnort Neumünster.

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