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Mafia-Kult

aus DER SPIEGEL 39/1972

»Der Pate« bricht Kinokassenrekorde, Molden bringt nun auch noch das Mafia-Sachbuch »Ehre Deinen Vater« von Gay Talese, Zsolnay den Roman »Der Mafia-Boß hat Schwierigkeiten« von Jimmy Breslin, der ein US-Bestseller war wie das Talese-Buch, wie »Der Pate«. Und schon wird in New York ein weiteres Mafia-Werk vorbereitet, eine Reportagen-Sammlung mit Spezialbeiträgen etwa über Mafia-Frauen« »Gangster-Chic« und Sinatra: »Mafia. U.S.A.« Mafia ist in -- und der Mafioso. so sieht es der Londoner Autor Thomas Wiseman, ist der Held des »neuesten literarischen Verbrecher-Kults«. Wiseman hat diesen Kult im »Guardian« analysiert -- mit bedenkenswerten Resultaten: Puzos »Pate«, so findet er, appelliere an die Sehnsucht vieler Leser nach dem »starken Mann, der Ordnung schafft«; Puzos und Taleses Mafiosi seien nicht als romantische Außenseiter zu sehen, sondern, im Gegenteil, als Figuren, die »nach Sicherheit, hohem Profit und Ansehen streben«. Wiseman: »Was aus diesen beiden Büchern hervorsticht, konträr zu ihrer vorgegebenen Thematik, ist das fast bourgeoise Verhaftetsein der Mafiosi an Business-Ethos und Establishment-Sitten.«

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