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Film Magie und Melancholie

»Tage des Himmels«. Spielfilm von Terrence Malick. USA 1978; 95 Minuten; Farbe.
aus DER SPIEGEL 26/1992

Menschen? Ja, Menschen gibt es auch in diesem Film. Und eine Geschichte. Sogar eine Geschichte über die großen Gefühle, über Liebe, Eifersucht und Haß. Und über den Tod. Aber das alles ist im Grunde nebensächlich.

Regisseur Terrence Malick und Kameramann Nestor Almendros haben einen Film über Himmel und Erde gemacht. Er erzählt von Feldern, von Sonne und Wind, vom Horizont, von Feuer und Wasser. »Tage des Himmels« ist eine Feier der berauschenden Bilder.

1978 wurde der Film mit dem Regie-Preis in Cannes und mit dem Kamera-Oscar gewürdigt. Jetzt bekommt er, seinerzeit mäßig erfolgreich, eine neue Chance im Kino.

Der junge Arbeiter Bill (Richard Gere), seine Geliebte Abby (Brooke Adams) und seine kleine Schwester (Linda Manz) verdingen sich zu Beginn des Jahrhunderts als Erntehelfer in Texas. Der Farmer (Sam Shepard), reich, einsam und todkrank, verliebt sich in Abby. Sie heiratet ihn - auf Bills Drängen - aus Berechnung. Aber bald verwirren sich die Gefühle.

Ein ganzes Jahr vergeht in »Tage des Himmels": die Zeit von einer Ernte zur nächsten. Anhand flüchtiger Momente erzählt Malick, was den Menschen geschieht. Sie arbeiten, sie spielen, feiern, kämpfen - und schließlich tötet einer.

Vieles liegt zwischen den Szenen, ungesagt, unsichtbar, aber spürbar. Mehr muß, mehr darf man nicht wissen: Sonst wäre die magisch-melancholische Balance zwischen den Menschen und dem Land gestört. Immer bleibt die Natur gegenwärtig. Sie birgt alle Empfindungen in sich: Das Glück ist ein weites Kornfeld im Sommer; der Haß ist eine nächtliche Feuersbrunst. So erzählt die Landschaft auf ihre eigene Weise, erhaben und stumm.

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