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POP Majestätischer Nachlass

aus DER SPIEGEL 4/2004

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Akt schamloser Grabplünderei: Kaum ist der Country-Titan Johnny Cash vier Monate unter der Erde, bringen die Nachlassverwalter schon einen Kasten voller CDs mit letzten größtenteils unveröffentlichten Aufnahmen des Meisters in die Läden. Aber Irrtum: Die Fünf-CD-Sammlung »Unearthed« war nachweislich schon vor Cashs Tod geplant. Gemeinsam mit Rick Rubin, dem HipHop- und Rock-Produzenten, dem Cash das Comeback der letzten Jahre verdankte, hatte er entschieden, aus dem Schatz von unveröffentlichten Liedern ihrer gemeinsamen Arbeit ein paar Dutzend auszuwählen. Die posthume Cash-Box ist eine umwerfende Demonstration künstlerischer Vitalität: Drei der CDs präsentieren unbekannte Aufnahmen, dazu gibt's ein Gospel-Album und eine Art »Best of« der letzten Jahre sowie ein fabelhaftes Buch mit Cash-Interviews. Glanzstück ist die Bob-Marley-Nummer »Redemption Song« - die singt Cash, dessen Stimme von einer majestätischen Melancholie und den Niederlagen eines abenteuerlichen Lebens geprägt ist, im Duett mit dem Briten Joe Strummer, der noch vor ihm starb.

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