Diskurskritik Margaret Atwood und J.K. Rowling beklagen "Klima der Intoleranz"

Sie sehen unter anderem eine "ideologische Einheitlichkeit": Prominente wie Daniel Kehlmann oder Gloria Steinem haben sich in einem gemeinsamen Brief zum aktuellen Debattenklima geäußert.
Autorin Margaret Atwood: "Klima der Intoleranz"

Autorin Margaret Atwood: "Klima der Intoleranz"

Foto: Tolga Akmen/ AFP

Zu den prominenten Unterzeichnern gehören unter anderem Bestsellerautoren wie Salman Rushdie, Joanne K. Rowling, Daniel Kehlmann und Margaret Atwood, aber auch Intellektuelle wie Noam Chomsky und die Feminismus-Ikone Gloria Steinem: In einem Brief haben sich zahlreiche Autoren, Aktivisten und Denker gegen einen moralisch aufgeladenen Diskurs ausgesprochen - dieser greife in ihren Augen um sich und lasse keine Gegenmeinungen mehr zu.

Der Text, der in der Oktoberausgabe der US-Zeitschrift "Harper's Magazine" erscheinen soll und bereits jetzt online abrufbar ist,  trägt den Titel "Ein Brief über Gerechtigkeit und offene Debatte".

Einerseits, so die Unterzeichner, würden sie aktuelle Forderungen nach weniger Rassismus und mehr sozialer Gerechtigkeit teilen: "Gewaltige Proteste für Gerechtigkeit (...) führten zu überfälligen Forderungen nach einer Polizeireform, gemeinsam mit Rufen nach mehr Gleichheit und Inklusion in der Gesellschaft (...)."

Gleichzeitig habe diese nötige Abrechnung aber einen neuen Satz moralischer Einstellungen und politischer Verpflichtungen intensiviert, der "unsere Normen der offenen Debatte und Toleranz für Unterschiede zugunsten ideologischer Einheitlichkeit schwächt". Und weiter: "Während wir der ersten Entwicklung applaudieren, erheben wir auch unsere Stimme gegen die zweite."

Der freie Austausch von Informationen und Ideen - das "Herzblut einer liberalen Gesellschaft" - würde mit jedem Tag enger geführt werden. "Während wir das von der radikalen Rechten erwarten, greift diese Tendenz zur Zensur aber auch in unserer Kultur weiter um sich: Eine Intoleranz gegenüber anderen Perspektiven etwa und die Mode des öffentlichen An-den-Pranger-Stellens gebe es auch hier.

Statt durchdachter Reformen würden Leiter von gesellschaftlichen Institutionen eher eilige, unverhältnismäßige Strafen verhängen. Als Beispiel führen die Unterzeichner unter anderem an, dass Redakteure gefeuert würden, wenn sie kontroverse Stücke bringen - damit spielen sie vermutlich auf die Kontroverse an, die vor einigen Wochen die "New York Times" erschütterte: Der Meinungschef der Zeitung hatte das Blatt verlassen, nachdem in seinem Ressort ein umstrittener Artikel des Republikaners Tom Cotton zu den antirassistischen Protesten in den USA erschienen war.

Die Unterschreibenden ziehen in ihrem Brief auch selbst eine explizit politische Ebene: Die Kräfte des Antiliberalismus würden weltweit stärker werden und besäßen in Donald Trump einen mächtigen Verbündeten, der eine reale Gefahr für die Demokratie darstelle. Über den Widerstand dagegen schreiben sie: "Die demokratische Inklusion, die wir wollen, kann nur erreicht werden, wenn wir uns gegen das Klima der Intoleranz äußern, das auf allen Seiten eingesetzt hat."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version gab es einen Übersetzungsfehler, "police reform" wurde falsch ins Deutsche übersetzt. Wir haben das korrigiert.

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