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Marina Abramović "Ich bin ein Beispiel dafür, dass jede Frau so leben kann, wie sie will"

Performancekünstlerin Marina Abramović wollte eine Oper auf die Bühne bringen. Doch nun muss sie pausieren - und gibt Auskunft über ihr eigenes spektakuläres Leben.
Ein Interview von Ulrike Knöfel und Claudia Voigt
aus DER SPIEGEL 15/2020
Darstellerin Abramović als Sängerin Callas in "Lucia di Lammermoor": "Wenn Sie ein Talent haben, dürfen Sie es nicht verschwenden"

Darstellerin Abramović als Sängerin Callas in "Lucia di Lammermoor": "Wenn Sie ein Talent haben, dürfen Sie es nicht verschwenden"

Foto:

Marco Anelli

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München, eine weitgehend verwaiste Bayerische Staatsoper. Marina Abramović, 73, will hier ein Herzensprojekt verwirklichen. Die Performancekünstlerin ist es gewohnt, überall auf der Welt zu arbeiten. Abramović lebt in New York, reiste aber aus London an, die dortige Royal Academy wird ihr eine große Ausstellung widmen. In München arbeitet Abramović, unterstützt von Sängerinnen, an einer ungewöhnlichen Opernidee: einer Hommage an Maria Callas. Die Uraufführung war für den 11. April geplant, doch der Termin ist nicht zu halten.

Abramović hat legendäre Werke geschaffen, das ist in dem Dokumentarfilm "Body of Truth" zu sehen (dessen Kinostart vorerst verschoben wurde). Dazu zählte auch ihre Performance "The Artist is present" im Museum of Modern Art in New York im Jahr 2010. Mehrere Wochen lang empfing sie täglich über viele Stunden Besucher, jeden der mehr als 1500 Menschen blickte sie regungslos an.

Die Begegnung mit Abramović findet Mitte März in einem Separee der Münchner Staatsoper statt, die Coronakrise spitzt sich bereits zu, aber es gibt noch keine Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen. Abramović ist guter Laune und bietet erst mal Desinfektionsmittel aus einem kleinen blauen Fläschchen an. Zehn Tage später noch ein Telefonat, jetzt klingt sie weniger zuversichtlich.

SPIEGEL: Frau Abramović, Sie sind Anfang März nach München gereist, nun kommen Sie aus Deutschland erst mal nicht mehr heraus. Wie geht es Ihnen damit?

Abramović: Es ist schwierig. Alle Beteiligten hatten anfangs noch die Hoffnung, das Vorhaben mit viel Enthusiasmus vorantreiben zu können, obwohl bald klar war, dass wir diese Oper nicht vor Publikum uraufführen können. Wir organisierten stattdessen einen Livestream. Inzwischen haben wir selbst den abgesagt. Der Zustand ist eine Belastung. Es fühlt sich an, als wären wir im Krieg.

SPIEGEL: Wirklich wie im Krieg?

Abramović: Eine gute Freundin von mir, Susan Sontag, hat während des Bosnienkrieges Becketts "Warten auf Godot" in einem Schutzraum in Sarajevo inszeniert, ich muss oft an sie denken. Bei ihr war es laut, bei uns ist es still. Ich weiß, uns bedroht kein Krieg, sondern ein Virus, aber ich denke, auch das ist ein furchtbarer Gegner. Dass wir so wenig über diesen Gegner wissen, dass er unsichtbar ist, macht ihn so gefährlich, und wir alle spüren diese Gefahr.

SPIEGEL: Wie arbeiten Sie unter den aktuellen Bedingungen?

Abramović: Zuerst haben wir die Teilnehmerzahl reduziert, auf nur zwei Personen, manchmal drei Personen. Abends gingen wir in einer seltsamen Stimmung nach Hause, und am nächsten Morgen kamen wir mit ihr zurück. Wir erstatteten uns gegenseitig Bericht, zu wem wir sonst noch Kontakt haben, aber kaum jemand von uns sieht andere Menschen. Aber jetzt brauchten wir das ganze Orchester, das ist unter diesen Umständen nicht möglich. Also pausieren wir, ich beaufsichtige die technischen Aufbauten, die Einrichtung der Lichttechnik.

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