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Böll Marsch zum Markt

aus DER SPIEGEL 29/1994

»Was du ererbt von deinen Vätern hast«, so geht Goethes »Faust«-Regel, »erwirb es, um es zu besitzen.« Oder um es zu verkaufen? Der Casus ist Heinrich Böll, verstorben 1985. Runde 25 Bände sollte die kritische Böll-Gesamtausgabe umfassen; runde fünf Jahre schon arbeitet eine »Böll-Forschungsstelle« an der Uni Wuppertal (Leiter: Germanistikprofessor Werner Bellmann) an dem Jahrtausendwendewerk; nun droht das Unternehmen auf Grund zu laufen. Der Grund: Die Böll-Erben, Rechtshüter des riesigen Nachlasses, haben den Vertrag mit der Uni aufgekündigt, mit dem Schulmeisterknurren, warum es »nicht vorangeht«. Des Pudels Kern? Böll-Forscher Bellmann sieht unterschiedliche Interessen: hie Drang zu rasch realisierten »Einzelprojekten« durch die Erben, da »langfristig orientierte Bemühungen« der Forschung; deutsch: Eilmarsch zum Markt kontra Schürfen der Wissenschaft. Böll, nämlich, geht prima: Der von den Erben edierte Nachlaßroman »Der Engel schwieg« wurde an die 150 000mal verkauft und in 16 Sprachen übersetzt.

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