Streit über Ehrendenkmal Nackte Kämpferin für Frauenrechte

Eine Statue zu Ehren von Feminismus-Pionierin Mary Wollstonecraft empört die Briten: Warum wird eine nackte Frau gezeigt? Die Künstlerin weist derweil die Kritik zurück.
Maggi Hamblings Statue zu Ehren von Mary Wollstonecraft in London

Maggi Hamblings Statue zu Ehren von Mary Wollstonecraft in London

Foto:

JUSTIN TALLIS / AFP

Ihr Buch "A Vindication of the Rights of Woman" (zu Deutsch: Verteidigung der Rechte der Frau) von 1792 gilt als Meilenstein des Feminismus, ihr Einsatz für die Gründung von Mädchenschulen als Pionierleistung. Trotzdem mussten Anhängerinnen und Anhänger von Mary Wollstonecraft (1759-1797) über zehn Jahre dafür kämpfen, dass eine Statue zu ihren Ehren in London aufgestellt werden konnte.

Am Dienstag war es so weit: Auf dem Nordlondoner Newington Green, unweit einer von Wollstonecraft gegründeten Schule, wurde das von der britischen Künstlerin Maggi Hambling gestaltete Denkmal enthüllt. Autorin Bee Rowlatt, die die Kampagne für die Statue geleitet hatte, sagte, Wollstonecrafts Errungenschaften wären durch frauenfeindliche Attacken nach ihrem frühen Tod im Alter von 38 Jahren bei der Geburt ihrer Tochter Mary zunichtegemacht worden. "Heute gleichen wir diese Ungerechtigkeit endlich aus", sagte Rowlatt aus Anlass der Enthüllung.

Doch statt Begeisterung hat die Statue bislang vor allem Kritik ausgelöst – denn die versilberte Bronzestatue zeigt eine nackte junge Frau, die aus einer amorphen länglichen Masse herausragt. "Stellt euch vor, es gäbe eine Statue eines heißen jungen nackten Typs 'zu Ehren' von zum Beispiel Churchill. Das sähe doch irre aus. Das hier sieht auch irre aus", schrieb die feministische Bestseller-Autorin Caitlin Moran auf Twitter.

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Aktivistin Caroline Criado-Perez , die sich unter anderem erfolgreich für die Errichtung eines Ehrendenkmals für Politikerin Millicent Fawcett und die Verewigung von Schriftstellerin Jane Austen auf den britischen Zehn-Pfund-Geldscheinen eingesetzt hat, bezeichnete den Entscheidungsprozess, bei dem die Wollstonecraft-Statue herauskam, als "katastrophal falsch".

Sie wolle nicht den Einsatz derer in Abrede stellen, die sich für die Statue eingesetzt haben, so Criado-Perez gegenüber dem "Guardian" . Aber die Liebesmüh sei vergebens gewesen. "Ich glaube ehrlich gesagt, dass diese Darstellung beleidigend ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie [Wollstonecraft] damit glücklich gewesen wäre, von diesem nackten, wohlgeformten feuchten Traum von einer Frau repräsentiert zu werden."

Auch andere Kommentatorinnen und Kommentatoren merkten an, dass es von männlichen historischen Persönlichkeiten wie Nelson Mandela keine nackten Statuen gäbe. Hambling rechtfertigte ihre Entscheidung damit, dass Kleidung ihre Figur zu sehr festgelegt hätte. "Sobald du jemanden in historische Kostüme steckst, rückst du das Ganze in die Vergangenheit", sagte Hambling. Sie habe dagegen etwas Zeitloses schaffen wollen.

Auch die fehlende Ähnlichkeit der Skulptur mit Wollstonecraft sei bewusst gewählt worden, so Hambling, denn es handele sich nicht um eine Statue von Wollstonecraft, sondern für sie. Tatsächlich trägt der Granitfuß der Skulptur die Inschrift "Für Mary Wollstonecraft". "Diese Arbeit ist der Versuch, ihren Beitrag zur Gesellschaft mit etwas zu würdigen, das über die viktorianische Tradition, Menschen auf Sockel zu stellen, hinausgeht", sagte Initiatorin Bee Rowlatt.

Criado-Perez kritisierte dagegen den Impuls, Denkmäler zu errichten, die keine spezifische Frau würdigen. "Wir haben in der Vergangenheit so wenige Frauen geehrt, dass es verlockend ist zu versuchen, alle zu repräsentieren", so Criado-Perez. Statuen von Männern würden aber nie allen Männern gewidmet sein, sondern klar erkennbare individuelle Züge tragen.

Auf ihrem Twitter-Konto sammelt Autorin Caitlin Moran  derweil mithilfe ihrer Follower Beispiele von weltweiten Denkmälern, bei denen die gewürdigten Frauen bekleidet und personalisiert sind. Die Auswahl ist sehr groß.

hpi/Reuters
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