Umstrittener Springer-Chef Mathias Döpfner gibt BDZV-Vorsitz vorzeitig ab

Springer-Chef Mathias Döpfner hat angekündigt, als Präsident des Verlegerverbands BDZV zurückzutreten. Er begründete den Schritt mit den Herausforderungen, vor denen der Verlag stehe.
Mathias Döpfner bei der Verleihung des Axel Springer Award 2021

Mathias Döpfner bei der Verleihung des Axel Springer Award 2021

Foto: Bernd von Jutrczenka / Getty Images

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner will sein Amt als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) vorzeitig ab Herbst in neue Hände geben. Das teilte der Verband am Dienstag in Berlin mit. Der 59-Jährige war im Herbst 2020 für eine zweite Amtszeit – vier Jahre – wiedergewählt worden.

In einem Brief an die Landesverbände teilte Döpfner mit: »Ich möchte mein Amt als Präsident ab Herbst in geordneter Weise in neue Hände, vorzugsweise auch in neue Strukturen, übergeben.« Als Begründung führte Döpfner zwei Punkte an. Axel Springer sei mit dem Wachstum in den USA und dem Kauf der Politico-Mediengruppe als größtem der Unternehmensgeschichte in einer entscheidenden Phase, die mehr Zeit und Präsenz in Amerika erfordere. »Darum werde ich mich nicht mehr in der aus meiner Sicht für einen Präsidenten notwendigen Form und Intensität für den Verband engagieren können.«

Weiter schrieb Döpfner: »Um stärker die Interessen kleinerer und mittelgroßer, regionaler und lokaler Verlage zu vertreten, braucht es eine Person bzw. Konstellation an der Spitze, die nicht für ein großes, internationales und sehr digitales Verlagshaus steht.« Das habe in der Vergangenheit immer wieder zu Missverständnissen geführt.

Rücktrittsforderungen häuften sich

In den vergangenen Monaten hatte es innerhalb des Verlegerverbands Kritik an Springer-Chef Döpfner gegeben, die zum Teil von Medienhäusern auch öffentlich geäußert worden war. Es gab Unmut bis hin zu Rücktrittsforderungen.

Anstoß des Ganzen war ein Artikel in der »New York Times«  im vergangenen Herbst gewesen. In dem Bericht ging es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen den damaligen »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt, der den Springer-Konzern schließlich verlassen musste. Die US-Zeitung hatte auch aus einer privaten Kurznachricht Döpfners an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre zitiert. Der Springer-Chef hatte Reichelt darin als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den »neuen DDR-Obrigkeitsstaat« aufbegehre. Fast alle anderen seien zu »Propaganda Assistenten« geworden. Springer hatte die Kurznachricht als Ironie eingeordnet.

Danach hatten Zeitungsverleger auf einer BDZV-Präsidiumssitzung bei einer Aussprache eine Entschuldigung Döpfners zu der umstrittenen Nachricht akzeptiert. Seither rumorte es zugleich weiter in dem Verband, der derzeit an einer Reform seiner Verbandsstruktur arbeitet. Aus Unmut über Döpfners Verbleib im Amt hatte die Funke Mediengruppe im März angekündigt, aus dem BDZV auszutreten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir ein falsches Kürzel für den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger verwendet. Wir haben die Stellen korrigiert.

hpi/dpa
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