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Gestorben Michael Degen, 90

aus DER SPIEGEL 16/2022
Foto:

Barbara Braun / drama-berlin.de

Eine vergnügte und geheimnisvolle Ruhe strahlte er in vielen Rollen aus. Zum Beispiel als Gentleman im Thomas-Bernhard-Stück »Heldenplatz«, der über die Reuelosigkeit österreichischer Judenhasser sprach. Michael Degen wuchs als Sohn jüdischer Eltern in Berlin auf, er war acht Jahre alt, als sein Vater starb, der im KZ Sachsenhausen schwer misshandelt worden war. »Nicht alle waren Mörder« nannte Degen sein Buch über eine Kindheit in Nazideutschland, die er mit seiner Mutter in Verstecken überlebt hatte. Das Buch, in dem Degen von jenen nicht jüdischen Deutschen erzählte, die inmitten der Barbarei mutig genug waren zu helfen, wurde ein Bestseller. Berühmt und verehrt wurde Degen als Fernsehdarsteller in Serien wie »Diese Drombuschs« und Krimis wie den Donna-­Leon-Verfilmungen. Im Theater hatte er angefangen, unter anderem am noch von Bertolt Brecht geleiteten Berliner Ensemble, später ar­beitete er an Bühnen mit großen Regisseuren wie Peter Zadek. Zu seiner Fernsehprominenz hatte der mit einem halben Dutzend Büchern erfolgreiche Autor ein ironisches Verhältnis. »Schrei­ben hat mir immer enormen Spaß gemacht«, sagte er in einem Interview, »was ich weiß Gott nicht von allen meinen Drehtagen be­haupten kann.« Michael Degen starb am 9. April in Hamburg.

höb
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