Christie's-Auktion Michelangelo zugeschriebene Aktzeichnung für Rekordsumme versteigert

Lange hielt man den etwa DIN A4 großen Akt für ein Werk eines Schülers, doch 2019 wurde die Federzeichnung dem Meister Michelangelo selbst zugeschrieben. Daraufhin war das Werk einem unbekannten Käufer 23 Millionen Euro wert.
Versteigerte Aktzeichnung im Pariser Auktionshaus von Christie's

Versteigerte Aktzeichnung im Pariser Auktionshaus von Christie's

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Michelangelo / Emmanuel Dunnand / AFP

Eine Aktzeichnung von Michelangelo ist in Paris zum Rekordwert von 23,2 Millionen Euro versteigert worden. Damit handelt es sich laut Angaben des Auktionshauses Christie's um das bisher teuerste Werk des italienischen Renaissance-Malers, sowie auch um die teuerste Zeichnung, die je in Europa versteigert worden sei.

Bei dem Werk »Ein nackter junger Mann (nach Masaccio) umgeben von zwei anderen Figuren« soll es sich um seine erste bekannte Aktstudie handeln, die der junge Michelangelo (1475-1564) in Florenz Ende des 15. Jahrhunderts angefertigt hat. Es ist eine der wenigen Arbeiten von Michelangelo, die sich noch in Privatbesitz befand. Die Federzeichnung in der Größe eines A4-Formats war erst 2019 Michelangelo zugeschrieben worden.

Der Schätzwert der Zeichnung, die am Mittwoch versteigert wurde, lag bei 30 Millionen Euro. Die Arbeit ist teilweise von einem Fresko des Malers Masaccio (1401-1428) in der Brancacci-Kapelle in Florenz inspiriert. Es handelt sich um seine erste bekannte Aktzeichnung des Renaissance-Künstlers.

Sie zeigt einen muskulösen, leicht gebeugt stehenden Mann, der frierend die Arme verschränkt, sowie zwei weitere Personen im Hintergrund. Michelangelo soll das Werk um 1490 gefertigt haben, im Alter von etwa 15 Jahren. Das Werk war zunächst seinen Schülern zugeschrieben worden, es war zuletzt 1907 verkauft worden.

Die »Süddeutsche Zeitung« betonte in ihrer Mittwochsausgabe , die Herkunftsgeschichte des Blatts sei keineswegs so gut belegt, dass sich weitere Fragen erübrigten: »Sie ist nur bis ins 18. Jahrhundert nachweisbar und hat zudem den Makel, dass Generationen an früheren Kunstkennern, die auch etwas davon verstanden, das Blatt nicht groß beachteten«.

2019 wurde das Werk in Frankreich zum »nationalen Schatz« erklärt, was bedeutete, dass es 30 Monate das Land nicht verlassen durfte. In dieser Zeit hätten der Staat oder die französischen Museen das Werk kaufen können. Da dies nicht passierte, stellte das Auktionshaus das Werk in Hongkong und New York aus, um es schließlich in Paris zu versteigern. Die Identität des Käufers war zunächst nicht bekannt.

Vor gut einer Woche hatte die Versteigerung eines Porträts der Hollywoodlegende Marilyn Monroe von Pop-Art-Künstler Andy Warhol in New York für Aufsehen gesorgt. Mit einem Endgebot von 195 Millionen Dollar (185 Millionen Euro) wurde »Shot Sage Blue Marilyn« das teuerste bei einer Auktion verkaufte Gemälde des 20. Jahrhunderts.

feb/dpa/AFP/Reuters
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