"KulturGutRetter" SPD-Politikerin will schnelle Eingreiftruppe für bedrohte Kunstschätze

Mobile Experten-Taskforce für den Noteinsatz: Michelle Müntefering (SPD) wirbt für einen internationalen Rettungsmechanismus, um Kulturgüter bei Bränden oder Überflutungen vor Zerstörung zu schützen.
Die überflutete historische Kirche St. Kornelius in Kornelimünster bei Aachen: Plötzlich Katastrophengebiet

Die überflutete historische Kirche St. Kornelius in Kornelimünster bei Aachen: Plötzlich Katastrophengebiet

Foto: Wassilis Aswestopoulos / imago images

Das Zerstörungspotenzial des Wetters in Zeiten des Klimawandels bedroht zunehmend auch wichtige Kulturstätten. In der nordrhein-westfälischen Heimat von Michelle Müntefering wurden gerade erst kulturhistorisch wichtige Bauten und Orte beschädigt oder weggeschwemmt, umso eindringlicher will die SPD-Politikerin jetzt auf internationaler Bühne für Akutmaßnahmen im Katastrophenfall werben.

Müntefering ist als Staatsministerin im Außenministerium für die auswärtige Kulturpolitik zuständig und in dieser Funktion nach Rom gereist. Wenn dort heute und morgen die Kulturminister der G20-Staaten zusammenkommen, will sie ihnen einen »rapid response mechanism« nahebringen, einen schnell wirkenden Rettungsmechanismus. Damit ließe sich binnen Stunden eine Taskforce aus Experten sowie eine modulare technische Ausstattung auf den Weg bringen, mit der vor Ort ein Notfall-Labor zur Konservierung aufgebaut werden könne. So könnten, erläutert Müntefering dem SPIEGEL, etwa durchnässte Schriftrollen behandelt werden.

Überschwemmter Markusplatz in Venedig, 2019

Überschwemmter Markusplatz in Venedig, 2019

Foto: Miguel Medina / AFP

Bereits im vergangenen Jahr wurden erste Prototypen für Rettungsmodule entwickelt, sie ermöglichen unter anderem die Notdokumentation, Reinigung und Schutzverpackung von Objekten. In diesem Herbst sollen sie gemeinsam mit dem sudanesischen Nationalmuseum in Khartum getestet werden.

Das Projekt ist eine Reaktion auf Flutkatastrophen, nicht nur in Deutschland. Historische Kulturmetropolen wie Venedig werden immer wieder überflutet, und wenige Tage nach den verheerenden Ereignissen in Deutschland kam es zu Überschwemmungen in Indien und in China. Dort drohten unter anderem die Buddha-Statuen in den Longmen-Grotten am Yi-Fluss durch das Wasser zerstört zu werden.

SPD-Politikerin Müntefering: Fordert Akutmaßnahmen im Katastrophenfall

SPD-Politikerin Müntefering: Fordert Akutmaßnahmen im Katastrophenfall

Foto: Christian Spicker / imago images

Die Überschwemmungen in Deutschland haben gezeigt, dass selbst Gegenden mit einem vergleichsweise gemäßigten Wetter binnen Stunden zum Katastrophengebiet werden können. Damit ist der Klimawandel endgültig zum wichtigen Thema im Wahlkampf geworden.

Auch deshalb nutzt Müntefering den Auftritt in Rom. Die von ihr propagierten Ad-hoc-Maßnahmen könnten allerdings auch bei Explosionen wie in Beirut 2020 oder bei Bränden greifen. Tatsächlich sei der Brand im Nationalmuseum in Rio 2018 ein Anlass gewesen, gemeinsam mit dem Deutschen Archäologischen Institut die Strategien zu entwickeln. Ein Zusammenschluss von Fachleuten – die »KulturGutRetter« – solle künftig stärker in die Abläufe des Technischen Hilfswerks und in europäische Programme eingebunden werden. Mit 1,5 Millionen Euro wird das Vorhaben in diesem Jahr unterstützt – eine ausbaufähige Summe.

Das Treffen der Kulturministerinnen und Kulturminister der G20-Staaten ist das erste seiner Art. Ziel ist es, die Bedeutung der Kultur ebenso wie ihre Gefährdung zu verdeutlichen. Außerdem soll es um kriminelle Raubgrabungen und Schmuggel sowie die Auswirkungen der Coronakrise gehen.

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