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Mike Mills Betreutes Filmen

aus DER SPIEGEL 13/2022
Foto:

Jay L. Clendenin / Los Angeles Times / Contour RA by Getty Images

Hollywoodregisseur Mike Mills, 56, ist überzeugt, dass ihm eine ausdauernde psychotherapeutische Betreuung hilft, ein besserer Künstler zu sein. »Es verschafft mir gedankliche Klarheit, mit meinem Therapeuten zu reden«, sagt Mills. Schließlich erzähle er in seinen Filmen fast immer von Dingen, die er selbst so ähnlich erlebt habe. Exakt sein halbes Leben gehe er bereits zum Therapeuten, mit 28 habe er angefangen. »Ich kann dadurch selbst besser zuhören und besser beobachten«, glaubt Mills. In seinem jüngsten, gerade angelaufenen Film »Come On, Come On« spielt Joaquin Phoenix einen eigenbrötlerischen Radiojournalisten, der ein paar Wochen auf seinen neunjährigen Neffen aufpassen muss; das Kind und der Erwachsene diskutieren die großen Fragen des Lebens. Laut Mills, der seit 2009 mit der Künstlerin und Regiekollegin Miranda July verheiratet ist, inspirierten ihn Gespräche mit dem gemeinsamen Sohn Hooper, Jahrgang 2012, zum Schreiben des Drehbuchs. Dass sein Film nun viele Menschen auf der ganzen Welt berühre, habe damit zu tun, dass er im Dialog mit einem Fachmann sei. »Ich bin selbst kein Psychologe, sondern ein Kinomensch. Mein eigenes Erleben ist nur die Saat. Damit sie aufgeht, brauche ich Beistand.« Mills hat bereits Filme über seinen Vater (»Beginners«, 2010) und seine Mutter (»Jahrhundertfrauen«, 2016) gedreht. Lange habe er darunter gelitten, nur langsam voranzukommen bei der Arbeit. »Irgendwann habe ich begriffen, dass die Menschheit ganz sicher nicht dauernd noch mehr Filme braucht. Auch nicht von mir.« Er habe gar keinen Grund, über seinen Output deprimiert zu sein. Heute sehe er das ein, »aber es war harte Arbeit für mich und meinen Therapeuten«.

HÖB
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