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Kunst Milde Blässe für den Balkan

aus DER SPIEGEL 29/1994

Erst »in hohem Alter« sah der Maler seine »Jugendträume erfüllt«. Johann Friedrich Overbeck (1789 bis 1869), in Rom hausender Patriarch der zeitfern-frommen »Nazarener«-Gemeinschaft, bekam mit 77 den größten Auftrag seines Lebens: Bischof Josip Juraj Strossmayer im kroatischen Djakovo wünschte für seinen riesigen Kathedralneubau eine 40teilige Wandbilderfolge. Die Kraft des Künstlers freilich reichte nur noch zu 14 Entwurfszeichnungen, die Malerei führten Jüngere aus. Jetzt ist der Zyklus des Nazareners im Regensburger Museum Ostdeutsche Galerie ausgestellt (bis 21. August; später in Overbecks Heimatstadt Lübeck und in Zagreb). Zutage kommt ein Werk von milder Blässe - und ein kulturhistorisches Dokument: Der fortschrittliche Kirchenfürst, Politiker und Mäzen Strossmayer sah in Overbecks Kartons auch Studienobjekte für Künstler der Region und stiftete sie der Südslawischen Akademie in Zagreb. 1955 wieder nach Djakovo gebracht, wurden sie 1991 vor dem Bürgerkrieg ausgelagert und dann in Deutschland restauriert.

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