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Gestorben Mimi Parker, 55

aus DER SPIEGEL 46/2022
Foto:

Sergione Infuso / Corbis / Getty Images

Vielleicht lag es an ihrer Religiosität, dass es oft wie eine Kirchenandacht wirkte, wenn sie sang. Zusammen mit ihrem Ehemann Alan Sparhawk gründete Mimi Parker 1993 im US-Bundesstaat Minnesota die Indierock-Band Low, die dem lauten, damals populären Rock der Grunge-Bands einen extrem reduzierten, zeitlupenhaften Sound entgegensetzte: Slow­core wurde dieser meditative Stil genannt. Kopf der Band, die über die Jahre wechselnde Bassisten beschäftigte, war Gitarrist und Hauptsongwriter Sparhawk, aber der entrückt scheinende Gesang Parkers und ihr behutsames, präzises Schlagzeugspiel definierte den einzigartigen Klang von Low. Ihr 1994 veröffentlichtes Debütalbum »I Could Live in Hope« gilt als eine der wichtigsten Alterna­tive-Rock-Platten der Dekade, zuletzt experimentierte die Band mit Elektronik- und Noise-Elementen, erzeugte aber immer dieselbe feierliche Intensität. Parker wuchs in einer Kleinstadt auf und lernte früh, Harmoniegesänge zu improvisieren, wenn ihre Mutter und ihre Schwester Country- und Gospel-Songs spielten. Bereits auf der Grundschule lernte sie Sparhawk kennen. In der Highschool, wo Parker Schlagzeug in einer Marschkapelle spielte, wurden sie ein Paar, später heirateten die beiden praktizierenden Mormonen. »Ehrlich gesagt, wenn es die Ehe und die Familie nicht gegeben hätte, hätten wir als Band niemals so lange überlebt«, sagte Parker, die mit Sparhawk zwei Kinder hatte, 2021 in einem Interview. Ihre Musik bezeichnete sie als Ort des Trosts und der Zuflucht. Mimi Parker starb in der Nacht zum 6. November an Eierstockkrebs.

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