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Modefotografin an der Front

aus DER SPIEGEL 38/1992

»Ich werde die erste Frau sein, die im befreiten Paris fotografiert«, schrieb Lee Miller stolz im August 1944, »es sei denn, eine Kollegin springt mit dem Fallschirm ab.« Es sprang keine. Die Amerikanerin fotografierte für Vogue GIs vor Notre-Dame, Stacheldraht an der Place de la Concorde, aber auch Modenschauen, Picasso und Marlene Dietrich. In diesen Pariser Bildern sind alle Widersprüche vereint, die das Leben der schönen, begabten, exzentrischen Lee Miller (1907 bis 1977) ausmachten: ihr Engagement als Kriegskorrespondentin, die auch an der Front und in gerade aufgelösten KZ fotografierte; ihre Liebe zur Pariser Boheme; und ihr Blick für Kleidung, den sie als Modell und Modefotografin geschärft hatte. Eine Schau im Kölner Museum Ludwig zeigt ihr Werk (15. September bis 1. Januar). In England ist zudem gerade ein Bildband ihrer Kriegsaufnahmen erschienen (Antony Penrose, Hrsg.: »Lee Miller's War«. Conde Nast Verlag; 35 Pfund). Er enthält ein Beispiel ihres makabren Humors: Im Frühjahr 1945 ließ sie sich nackt in Hitlers Badewanne fotografieren.

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