Staatsministerin Grütters über November-Shutdown "Für die Kultur eine echte Katastrophe"

Als Korrektiv sei die Kultur "natürlich systemrelevant", sagt die zuständige Staatsministerin Monika Grütters. Dennoch wirbt sie um Verständnis für die Corona-Maßnahmen – und drängt auf zügige Hilfen.
Kino in Hannover mit abgesperrten Sitzen: "Es geht um die Existenz für mehr als 1,5 Millionen Menschen"

Kino in Hannover mit abgesperrten Sitzen: "Es geht um die Existenz für mehr als 1,5 Millionen Menschen"

Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

Kulturstaatsministerin Monika Grütters befürchtet angesichts neuer Corona-Beschränkungen schwere Folgen für die Kulturszene. "Ich bin in großer Sorge um die Kultur", sagte die CDU-Politikerin in einer Stellungnahme. Die Kultur dürfe nicht zum Opfer der Krise werden. "Leider zwingt uns die Dynamik des Infektionsgeschehens zu harten Maßnahmen", sagte Grütters. "Doch bei allem Verständnis für die notwendigen neuen Regelungen: Für die Kultur sind die erneuten Schließungen eine echte Katastrophe."

Kultur sei weit mehr als Freizeit und Unterhaltung. "Sie ist kein Luxus, auf den man in schweren Zeiten kurzerhand verzichten kann." Kultur sei keine Delikatesse für Feinschmecker, sondern Brot für alle. "Und sie ist das notwendige Korrektiv in einer lebendigen Demokratie. Gerade das macht sie natürlich systemrelevant."

Künstlerinnen, Künstler und Kreative haben sich nach den Worten von Grütters in der Krise solidarisch und konstruktiv gezeigt, "obwohl die Coronakrise an ihren Lebensnerv geht". Kultur und die Kreativwirtschaft bräuchten daher jetzt rasche Hilfen wie alle anderen Branchen auch. "Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern das ist vor allem eine Frage der Wertschätzung."

Es gehe um Tausende Kinos, Privattheater, das gesamte Bühnengeschehen, Klubs oder Festivals. Betroffen seien zahlreiche Beschäftigte. "Es geht um die Existenz für mehr als 1,5 Millionen Menschen, die in unserem Land mehr als 100 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt an Wertschöpfung beitragen und häufig als Soloselbstständige arbeiten", sagte Grütters. Einnahmeausfälle in den Kultureinrichtungen müssten "schnell, effizient und großzügig" kompensiert und für die vielen Soloselbstständigen passgenaue Förderungen geschaffen werden.

"Arbeit am gesellschaftlichen Sinn"

In eine ähnliche Richtung hatte bereits Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) argumentiert. Er warb zwar für Verständnis für die Maßnahmen, merkte aber an, ein solcher Schritt könne "gesellschaftlich und auch wirtschaftlich nicht beliebig oft" wiederholt werden. "Daher müssen wir diesen Monat jetzt dringend dazu nutzen, alles dafür zu tun, dass möglichst schnell wieder das kulturelle Leben stattfinden kann und die Stimme der Künstlerinnen und Künstler weiter gehört wird."

Die konkreten Beschlüsse träfen die Kultur hart, sagte Brosda weiter. "Denn natürlich ist Kultur nicht nur Freizeitgestaltung, sondern schafft Räume und Anlässe zur Arbeit am gesellschaftlichen Sinn." Die Branche habe in den vergangenen Monaten mit viel Kreativität, Engagement und Verantwortungsbewusstsein bewiesen, dass sie auch unter den Bedingungen der Pandemie gut und sicher arbeiten könne. Erst vor wenigen Tagen hatte Brosda Theater und Konzerthäuser mit Blick auf mögliche Ansteckungsrisiken als "sicherer als zu Hause" beschrieben.

Die Kultur gilt gemessen an den Beschäftigten als zweitgrößter Wirtschaftszweig in Deutschland. Deshalb muss Brosda zufolge die versprochene Erstattung von 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats schnell umgesetzt werden und "dort ankommen, wo es am dringendsten nötig ist, damit wir auch in dieser schwierigen Zeit die kulturelle Vielfalt erhalten".

feb/dpa
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