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GESELLSCHAFT / HERRENMODE Mops am Abend

aus DER SPIEGEL 46/1967

Der Lockerung des Alltags dient er seit vier Jahrzehnten, zur Zierde exklusiver Festivitäten erst seit jüngster Zeit: Mitglieder der Jet-Society in London und Paris tragen den Rollkragenpullover neuerdings zum Smoking.

Generationen von Salon-Löwen ertrugen es mit Langmut, daß sieh ihre abendliche Eleganz nicht wesentlich von der eines Oberkellners abhob. Doch während Pop- und Beat-,Jünger mit Litzen, Spitzen oder Rüschen dem Kellner-Look anmutig zu begegnen suchen, entschieden sich Mode-Pioniere der Hautevolee jetzt für das (Damenmoden-) Erfolgsrezept von Altmeisterin Coco Chanel: saloppes Understatement. Fazit: Der Freizeit-Pullover ist salonfähig.

Barry Sainsbury, 38, britischer Designer und in gehobenen Kreisen an Themse und Seine gleichermaßen heimisch, bezeichnet sich als geistiger Urheber des Party-Sweaters. Denn der »Rollmops« -- so nennen Eingeweihte das Versatzstück -- wurde zuerst in Sainsburys Londoner Herren-Boutique »Mr. Fish« verkauft. Als einer der ersten Kunden erwarb dort der britische Königin-Schwager und Hof-Photograph a. D. Lord Snowdon ein weißgewirktes Exemplar.

Mit einer lachsfarbenen Variante unter burgunderrotem Samt-Jackett war »Mr. Fish«-Besitzer Sainsbury unlängst Gast bei einer Pariser Fete des Modeschöpfers Pierre Balmain. Doch schon vorher, anläßlich der Filmpremiere von »Der Widerspenstigen Zähmung« in der Pariser Oper, hatten mehrere Geladene Rollmops getragen.

Der Hauptdarsteller und Liz-Taylor-Gatte Richard Burton, während der Vorführung des Films noch konservativ gewandet, erschien bei der Anschluß-Party (Gastgeberin: Vicomtesse de Ribes) ebenfalls mit Pull-Appeal. Unschlüssig, ob Snob oder Pop, hatten einige der männlichen Gäste ihre karge Strickfront mit güldenen Hippie-Ketten aufgelockert. Eine besonders aparte Kombination wählte der Taylor-Burton-Maskenbildner Ron Berkeley: Er trug zum adretten Rollkragen-Pulli aus weißer Seide drei Goldketten und ein Dinner-Jackett im Schottenkaro-Muster.

Designer Sainsbury ("In London sind Smoking-Hemd und -Schleife passe") glaubt indes mit dem Rohmops -- außer dein Spaß -- auch einen dicken Fisch an der Angel zu haben: Er plant den Pullover-Export in die Vereinigten Staaten. »Den Namen«, sinnierte der Handelsmann, »muß ich da allerdings ändern -- er klingt zu sehr nach Fisch.«

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