Zur Ausgabe
Artikel 100 / 137
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

ENTHÜLLUNG Moravia ein Duce-Fan?

aus DER SPIEGEL 5/1999

Ein Brief aus dem Jahre 1941, jetzt von dem Historiker Giuseppe Pardini entdeckt, rückt ein Literaturdenkmal Italiens ins Zwielicht: War Alberto Moravia (1907 bis 1990) kein standhafter Antifaschist, sondern Mitläufer des Regimes? »Seit Sie, Duce, mir 1938 erlaubt haben, meine berufliche Tätigkeit wieder aufzunehmen, habe ich gewiß nichts geschrieben oder publiziert, was Ihnen mißfallen haben könnte«, heißt es in dem Schreiben. Bislang schien klar: Moravia, der einen jüdischen Vater hatte, war während der Diktatur in Italien verfemt. 1943, als die Deutschen in Rom einmarschierten, mußte er sich in den Wäldern verstecken. Den Dokumenten zufolge hatte er jedoch beste Beziehungen zum Mussolini-Schwiegersohn und Außenminister Galeazzo Ciano. Bei Mussolinis Mätresse traf sich Moravia mit ranghohen Faschisten. Folge: Das Regime stufte ihn 1938 nicht nur als »nicht jüdisch« ein, sondern gewährte ihm 1941 sogar die Namensänderung von Pincherle-Moravia in Piccinini. Moravia stand vor der Heirat, als er am 7. März 1941 den Duce »devotamente« bat, ihm die journalistische Arbeit wieder zu erlauben. Ob der Bittbrief je abgeschickt wurde, ist allerdings fraglich.

Zur Ausgabe
Artikel 100 / 137
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.