Im Alter von 94 Jahren Komiker Mort Sahl ist tot

»Gibt es irgendeine Gruppe, die ich noch nicht beleidigt habe?«, mit solchen Sprüchen revolutionierte er während des Kalten Krieges die amerikanische Kabarettszene. Nun ist der Satiriker Mort Sahl gestorben.
Entertainer Mort Sahl (2007)

Entertainer Mort Sahl (2007)

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Fred Prouser / REUTERS

In einer Zeit, in der viele Komiker Smoking trugen und Schwiegermutterwitze erzählten, trat er in Hose, Pullover und aufgeknöpftem Kragen vor sein Publikum, stets eine zusammengerollte Zeitung dabei, auf die er Notizen für seinen Auftritt geklebt hatte. Jetzt ist der Satiriker Mort Sahl gestorben. Das berichten mehrere US-Medien, darunter die »New York Times« und die »Washington Post«, übereinstimmend. Er sei in seinem Haus in Mill Valley, Kalifornien, »friedlich« eingeschlafen, sagte Lucy Mercer, eine Freundin Sahls.

Sahl war zu Zeiten des Kalten Krieges mit seinen Kommentaren zu Politikern und aktuellen Ereignissen zu einem Liebling einer neuen, unruhigen Generation von Amerikanerinnen und Amerikanern geworden. In seinem zwanglosen Outfit las er Nachrichten aus der Zeitung vor, als säße er einem am Küchentisch gegenüber. Seine Auftritte beendete er mit der Frage: »Gibt es irgendeine Gruppe, die ich noch nicht beleidigt habe?«

»Jeder Komiker, der keine Frauenwitze macht, muss ihm dafür danken«, sagte der Schauspieler und Komiker Albert Brooks 2007 der Associated Press. »Er war wirklich der Erste, noch vor Lenny Bruce, der über Sachen sprach und nicht nur Pointen machte.«

Sahl war stolz darauf, jeden Präsidenten von Dwight D. Eisenhower bis Donald Trump verspottet zu haben, privat bewunderte er den Demokraten John F. Kennedy und zählte den Republikaner Ronald Reagan, über den er sich später besonders gern lustig machte, zu seinen engsten Freunden.

»Ich fand, die Leute sahen besser aus, wenn sie lachten.«

Mort Sahl

Morton Lyon Sahl wurde 1927 in Montreal als Sohn einer kanadischen Mutter und eines New Yorker Vaters geboren. Er begann seine Karriere im Showbusiness als Autor für andere Komiker. Als er feststellte, dass diejenigen, für die er schrieb, »zu dumm« waren, um den Stoff zu verstehen, wie er einmal sagte, trat er selbst auf die Bühne.

Berühmt wurde Sahl im legendären Nachtklub »hungry i« in San Francisco. Beatniks und College-Aktivisten drängten sich in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in diesen Künstlertreff, um jemanden zu hören, der ihre Verachtung für den Status quo zum Ausdruck brachte. Jemanden wie Mort Sahl. Sein unverwechselbarer Stil sprach sich schnell herum. Bald zog Sahl durch Nachtklubs im ganzen Land, trat im Fernsehen mit Steve Allen und Jack Paar auf. Er wurde im »New Yorker« porträtiert, 1960 schaffte er es als erster Komiker auf das Cover des »Time«-Magazins. Eine neue Generation von Komikerinnen und Komikern ließ sich von Sahl inspirieren.

Auch Hollywood wurde auf Sahl aufmerksam. Als witziger Soldat wurde er etwa in »In Love and War« (1958) und »All the Young Men« (1960) besetzt. Bei der Oscarverleihung 1959 war er neben Bob Hope, Laurence Olivier, Jerry Lewis und anderen Co-Moderator.

»Ich fand, die Leute sahen besser aus, wenn sie lachten«, sagte Sahl einmal auf die Frage, warum er das machte, was er machte. Mort Sahl wurde 94 Jahre alt.

sak/AP
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