Sanktionen für Dmitry Glukhovsky Moskau schreibt kremlkritischen Autor zur Fahndung aus

Er nannte Kremlchef Wladimir Putin einen heuchlerischen Greis, dessen Anhänger diebische Dumpfbacken. Nun sucht Moskau den russischen Schriftsteller Dmitry Glukhovsky.
Der russische Schriftsteller Dmitry Glukhovsky 2016 in Barcelona

Der russische Schriftsteller Dmitry Glukhovsky 2016 in Barcelona

Foto: Marta Perez / EPA

Russland hat den kremlkritischen Schriftsteller Dmitry Glukhovsky zur nationalen Fahndung ausgeschrieben. Der 42-Jährige werde gemäß einem Verstoß gegen das russische Strafgesetzbuch gesucht, meldete die russische Staatsagentur Tass. Glukhovsky sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass er sich aktuell nicht in Moskau aufhalte.

Er gehe davon aus, dass er wegen Beleidigung der russischen Armee gesucht werde. »Ich bin bereit, alles, was ich gesagt habe, zu wiederholen: Stoppt den Krieg! Gebt zu, dass das ein Krieg gegen ein ganzes Volk ist. Und beendet ihn!«, meinte er mit Blick auf Russlands Einmarsch in die Ukraine.

»Stoppt den Krieg! Gebt zu, dass das ein Krieg gegen ein ganzes Volk ist. Und beendet ihn!«

Dmitry Glukhovsky

Der Autor der »Metro«-Trilogie, der vorwiegend im Ausland lebt und auch Deutsch spricht, ist seit Jahren ein scharfer Kritiker des russischen politischen Systems. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hatte er wiederholt in sozialen Netzwerken die Invasion verurteilt, auf die Verluste bei den russischen Streitkräften hingewiesen und von der Ermordung ukrainischer Zivilisten berichtet.

Kritik an Russland getwittert

»Das wichtigste strukturelle Problem des russischen politischen Systems besteht darin, dass es sich aus diebischen Dumpfbacken zusammensetzt, die nach einem Verständnis von Gaunern leben und in kannibalischem Eifer in Konkurrenz zueinander stehen und dabei die Befehle eines entrückten, heuchlerischen Greises mit einer persönlichen Krise ausführen«, schrieb er im Mai bei Twitter. Neben seiner literarischen Arbeit kommentiert Glukhovsky immer wieder auch die Tagespolitik.

Im Oktober hatte Glukhovsky (»Der Posten«, »Text«) bereits eine »Kultur der Lügen und der Verbote in Russland« beklagt. Es gebe nicht nur eine verlogene Propaganda in Russland, die Tatsachen und Wahrheiten völlig verdrehe. »Der Machtapparat versucht, alles zu verbieten, was lebendig und echt ist im gesellschaftlich-kulturellen Leben in Russland.«

dpa/nga

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.