Abgehört Die fünf wichtigsten CD-Veröffentlichungen der Woche

Kaufen oder nicht kaufen? Einmal in der Woche stellt SPIEGEL ONLINE die wichtigsten Platten der Woche vor. Heute dabei: Anastacia, Samba, Busta Rhymes, Hope Sandoval und die Silver Jews...

Von Jan Wigger


Samba - "Komando"
(Blickpunkt Pop/EFA)


In der "Hamburger Schule" nie wohlgelitten und von so manchem Fanzine-Schreiber ob ihres Debüts bei Sony Music als unglaubwürdige Retortenband mit deutschen Texten verhöhnt, musste das Münsteraner Trio Samba schon früh Lehrgeld zahlen: Den kontemplativen und dennoch stets gewitzten Pop ihres zweiten und besten Albums "T.B.A." ahndete das Major-Label nicht zuletzt auf Grund der enttäuschenden Verkaufszahlen mit sofortigem Rausschmiss. Der vierte, angenehm unspektakuläre Versuch "Komando" wurde dann auch zu Hause und im Proberaum aufgenommen und zeigt Samba von ihrer bislang ruhigsten und beruhigendsten Seite. Geblieben sind skurrile Songtitel wie "Common Pullover!" und die gewohnt assoziativen Songtexte von Sänger und Gitarrist Knut Stenert, die alles und nichts bedeuten.


Samba - offizielle Website mit Soundfiles und Newsletter


Silver Jews - "Bright Flight"
(Domino/Zomba)


Obwohl die Silver Jews im Infoschreiben der Plattenfirma augenzwinkernd als "Adult Orientated Rock-Faves" bezeichnet werden, ist schnell klar, dass man von David Berman auch nach rund dreijähriger Pause in Wirklichkeit immer noch leicht countrifizierte, kauzige Songwriter-Weisen mit herrlich metaphorischen Texten erwarten kann. Gut möglich, dass "Bright Flight" auch deshalb noch etwas trauriger und gesetzter klingt als die drei Vorgänger, weil Stephen Malkmus (früher Pavement, jetzt allein) nicht mehr mit von der Partie ist. Ein Partykönig wird aus Berman trotz des fröhlichen Ausbruchs "Let's Not And Say We Did" natürlich nicht mehr, ein treuer und verlässlicher Begleiter für wehe Herzen wird er dagegen auch in Zukunft bleiben. Auf dass es nicht wieder drei lange Jahre dauert.


the corduroy suit - offizielle Website der Silver Jews


Anastacia - "Freak Of Nature"
(Epic/Sony)


Der Titel der neuen Anastacia-Platte weckt nicht nur vergessen geglaubte Erinnerungen an den Melodic Rock von Mike Tramp (White Lion), sondern ruft auch noch einmal die erste Staffel der RTL2-Doku-Soap "Popstars" nachdrücklich ins Gedächtnis, in der jedes zweite dahergelaufene Möchtegern-Sternchen delirierend so lange Anastacias "I'm Outta Love" zum Besten gab, bis die Jury entnervt das Weiterkommen der Kandidatin vermeldete. Auf dem clever produzierten und bis ins letzte durchkonstruierten "Freak Of Nature" bietet die weiße Soul-Hoffnung nichts, was wir nicht schon von Madonna ("Overdue"), Destiny's Child ("Why'd You Lie To Me") und leider sogar Celine Dion auf der "Titanic" ("You'll Never Be Alone") kennen würden. "Paid My Dues" ist freilich ein Hit, der Rest mit viel Geduld gerade noch gefällig. Kein Zweifel: Das gibt wieder Doppel-Platin.


Anastacia - offizielle Website mit Videoclips und Soundfiles


Hope Sandoval & The Warm Inventions - "Bavarian Fruit Bread"
(Rough Trade)


Das letzte Lebenszeichen der bis heute nie offiziell aufgelösten Mazzy Star, "Among My Swan" (1996), hatte das Zeug, die Verächter der ganz leisen Klänge langsam in den Wahnsinn zu treiben: Wie ein unter Valium-Einfluss stehender Säugling würde die bildschöne Hope Sandoval säuseln, beschwerten sich einige, während andere dem zarten Psychedelia-Folk der Formation aus Los Angeles auf der Stelle verfielen. Schwer zu glauben, aber wahr: An "Bavarian Fruit Bread" sind nicht nur Colm O'Ciosoig (Ex-My Bloody Valentine) als Multiinstrumentalist und William Reid (The Jesus And Mary Chain) als Autor des Openers "Drop" beteiligt, sondern auch der fast vergessene, ehemalige Pentangle-Vorsteher Bert Jansch. Wie das Album klingt? Sinister, schwerelos, betörend.


Hope Sandoval bei Rough Trade Records


Busta Rhymes - "Genesis"
(BMG Ariola)


Die meisten werden Busta Rhymes noch aus der Gummizelle des gigantomanischen "Woo-Hah! Got You All In Check"-Videos von 1995 kennen. Danach verfolgte der New Yorker Rapper immer finsterer werdende Untergangsszenarien. Doch damit soll nun Schluss sein: Auf "Genesis" geben sich nun die Stars die Klinke in die Hand: Dr.Dre und The Neptunes hatten ihre Finger bei der Produktion im Spiel und Busta duettiert gut gelaunt u.a mit P.Diddy, Mary J.Blige und Kelis. Während die Kollaborationen lediglich ihr Soll erfüllen, bestreitet der wahnsinnige HipHopper die Höhepunkte seiner eigenwilligen Schöpfungsgeschichte allein: Das Keyboard auf "Truck Volume" vergisst man so schnell nicht mehr, mit "Break Ya Neck" dagegen müsste der Weltrekord im Schnellsprechen geknackt worden sein. Busta goes party! Gimme some more...

Busta Rhymes bei Eastwest Records mit Soundfiles


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