Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche

Kaufen oder nicht kaufen? Einmal in der Woche stellt SPIEGEL ONLINE die wichtigsten Neuveröffentlichungen vor. Heute dabei: No Doubt, Kid Rock, Masters Of Reality, Beachwood Sparks und Rap-Newcomer Bubba Sparxxx...

Von Jan Wigger, Andreas Borcholte


No Doubt - "Rock Steady"
(Interscope/Motor/Universal)


Machen wir uns da mal nichts vor: Dass, was Gwen Stefani und No Doubt am dringendsten brauchen, ist ein richtig fetter Hit. Deshalb hat man für das dritte Album nicht nur Nellee Hooper, Sly & Robbie und William Orbit herangekarrt, sondern auch Ric Ocasek, dessen Produktionsbeiträge "Don't Let Me Down" und "Platinum Blonde Life" dann auch tatsächlich an die Cars erinnern. Stargast aber ist seine Durchlaucht Prince, der beim raren Highlight "Waiting Room" im Background säuselt. "Running" ist ein ehrenwerter, smarter Versuch, den ewigen Hit "Don't Speak" vergessen zu machen, "Making Out" dagegen von erstaunlicher melodischer Finesse. Der Rest? Ska-, R&B- und Reggae-Versuche, Pop-Rock und Achtziger-Jahre-Reliquien. Das ist wie üblich leidlich interessant und von eher begrenzter Halbwertszeit.


No Doubt - offizielle Website mit Soundfiles und Video
No Doubt bei Motor Music (mit Soundfiles und Video)


Kid Rock - "Cocky"
(Atlantic/EastWest)


Dass notorische Wichtighuberei und Großmannssucht für Kid Rock nur selbstironische Stilmittel sind, ist schwer zu glauben, denn dafür nimmt sich der Prahlhans aus Detroit eindeutig zu ernst. Mag sein, dass Rocks ständiges "Guess who's back"-Gelaber, die Macho-Posen und Eiergrapscherei im Booklet sowie Litaneien über Weiber, Whisky und Kokain von Run DMC oder LL Cool J inspiriert sein sollen, die aber scheinen im Musikunterricht besser aufgepasst zu haben. Die langsameren Stücke sind erträglich, die Lyrik meist erbarmungswürdig, die arme Sheryl Crow war gerade in der Nähe. Das Duett "Picture" ist bezeichnenderweise das beste Stück auf Kid Rocks drittem Album "Cocky". "I make Punk-Rock and mix it with the HipHop" krächzt der Millionario. Der Mann hat zwar ein einzigartig falsches Verständnis von Punk, aber dafür den Allerlängsten! Herzlichen Glückwunsch...


Kid Rock - offizielle Website mit Videos
Kid Rock - offizielle deutsche Website


Masters Of Reality - "Deep In The Hole" (Mascot Rec./Zomba)

Was Sänger und Gitarrist Chris Goss in den vergangenen zehn Jahren angefasst hat, wurde vielleicht nicht immer zu Gold, geglänzt hat es jedoch immer. Goss ist der Entdecker der Stoner-Rock-Legende Kyuss, produzierte aber auch deren beliebte Nachfolge-Band Queens Of The Stone Age, machte zwischendurch die Stone Temple Pilots wieder flott und griff Russell Crowe mit seinen 30 Odd Foot Of Grunts unter die Arme. Mit seiner eigenen Band (eigentlich sind es nur Goss und Bassist Googe) klappt es kommerziell nicht ganz so gut, was das mittlerweile fünfte MOR-Werk "Deep In The Hole" natürlich nicht zu einem schlechten Album macht. Im Gegenteil: Schwerer Post- und Prä-Grunge trifft auf luftige Beatles-Melodien, eklektizistische Bowie-Refrains und Soundkonstrukte à la Smashing Pumpkins - Star-Gäste wie Josh Homme und Mark Lanegan inklusive. Das Beste an den Masters Of Reality ist jedoch: Sie nehmen sich einfach nicht ernst...

Masters Of Reality - offizielle Website


Beachwood Sparks - "Once We Were Trees"
(SubPop/Zomba)


Es wäre ein Leichtes, die Beachwood Sparks des Hippietums zu bezichtigen. Auch Retro-Vorwürfe könnte man ausnahmsweise durchgehen lassen, liegen sie doch auf der Hand: Die vier Amerikaner, die bereits auf ihrem gleichnamigen Debüt mit Songs wie "Desert Skies" oder "Silver Morning After" pure Brillanz verströmten, wollen auch auf "Once We Were Trees" nichts weiter, als Endsechziger-Heroen wie den Flying Burrito Brothers oder den Byrds eine Stimme in der rauhen Gegenwart verleihen. Während der Eskapismus jedoch in den Texten rührt, ist der informierte Wohlklang auf musikalischer Seite gänzlich aus der Zeit gefallen. Sehr beachtlich: das Sade-Cover "By Your Side". Ansonsten gilt: Buffalo Springfield Again.


Beachwood Sparks - offizielle Website bei SubPop Records


Bubba Sparxxx - "Dark Days, Bright Nights"
(Interscope/Motor/Universal)


Eminems Erfolg zieht Kreise: Bubba Sparxxx, bürgerlich Warren Anderson Mathis, ist so weiß wie Vanille-Eis und kommt noch dazu aus LaGrange im US-Bundesstaat Georgia, ungefähr 70 Meilen außerhalb von Atlanta. Ein Landei aus dem Süden also, das sich aber weniger für Lynyrd Skynyrd oder die Doobie Brothers interessiert, sondern für flotte Reime aus dem Großstadt-Ghetto. Mit "Ugly" hatte er bereits einen veritablen Hit (Kein Wunder, das Stück enthielt Samples aus Missy Elliotts "Get Ur Freak On"), nun legt der Südstaatler sein Debüt-Album vor. Auffällig ist der typisch abgehackte, quietsch-stimmige Rap-Flow, an dem man den weißen Rapper erkennt. Klingt also alles sehr nach Eminem, vermischt mit einer Prise Country wie beim Weißbrot-Kollegen Everlast. Textlich geht's dann aber doch zur Sache, und zwar mit scharfzüngiger Berichterstattung aus einer ärmlichen Jugend als White Trash in den Elendsquartieren des ländlichen Amerikas, HipHop, der auch ohne Street Credibility funktioniert. Deshalb gab's Schützenhilfe vom Rap-Establishment: Timbaland hat sechs der Songs des Newcomers produziert.


Bubba Sparxxx - offizielle Website mit Video und Soundfiles
Bubba Sparxxx bei Motor Music


Mehr zum Thema
Newsletter
Abgehört: Die wichtigste Musik der Woche


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.