Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche

Kaufen oder nicht kaufen? Einmal in der Woche stellt SPIEGEL ONLINE die wichtigsten CD-Neuveröffentlichungen vor. Heute dabei: The Notwist, Bad Religion, Deine Lakaien, H-Blockx und der Soundtrack zu Steven Soderberghs Film "Ocean's Eleven"

Von Jan Wigger


Original Soundtrack - "Ocean's Eleven" (Warner Bros.)

Wer Steven Soderberghs elegantes Remake von "Ocean's Eleven" bereits gesehen hat, dem sollten nicht nur die opulenten Bilder und gewitzten Charaktere im Gedächtnis geblieben sein, sondern vor allem auch der swingende Soundtrack. Swingend ist hier - wiewohl passend - nicht nur im Sinne des alten Sinatras gemeint, denn der britische DJ David Holmes, bekannt für seine athmosphärische Mixtur aus Elektronik und HipHop ("Let's Get Killed"), schuf ein ebenso druckvolles wie vibrierendes Soundgerüst: BigBeat trifft Lounge-Sound trifft Easy Listening, der perfekte Transport aller Las-Vegas-Klischees in die Neuzeit. Dazu gibt es einige Perlen von Arthur Lyman, Quincy Jones, Elvis Presley und Perry Como ("Papa Loves Mambo") und natürlich jede Menge Dialog-Splitter aus dem Film, die mit Percy Faiths "A Song For Young Lovers" unterlegt sind. Kurz: Der beste Soundtrack seit "Jackie Brown" und "Out Of Sight"...


Ocean's Eleven - offizielle Website zum Film
David Holmes - Fansite mit Soundfiles und Video
"Oceans Eleven": Cool, cooler, Soderbergh!


The Notwist - "Neon Golden"
(Big Store/City Slang/Labels/Virgin)


Nach dem beachtlichen Erfolg des exzellenten Vorgängers "Shrink" dürfte es für das Weilheimer Quartett mit "Neon Golden" nicht mehr schwierig sein, dem leidigen Geheimtipp-Status zu entrinnen. Das fünfte Album könnte dabei den vorläufigen Endpunkt einer faszinierenden Entwicklung vom melancholischen, aus Punk und Hardcore gespeisten Schrammel-Rock zum von Jazz und Dub beeinflussten, schimmernden Elektronik-Folk markieren. Der geniale Knöpfchendreher Martin Gretschmann (Console) ist längst nicht mehr aus dem Kollektiv wegzudenken, die zehn neuen Stücke zeigen The Notwist gelassener und dennoch zwingender als je zuvor. Der günstige Veröffentlichungstermin (wenig Konkurrenz) lässt zudem eine unerwartet hohe Chart-Position in greifbare Nähe rücken.


The Notwist - offizielle Website
The Notwist: Krautrock und Elektrobeats


H-Blockx - "Get In The Ring"
(Supersonic/Gun Records/BMG)


Vier Jahre nach dem letzten regulären Album "Fly Eyes" nehmen die Münsteraner Crossover -Pioniere, abzüglich des zweiten Sängers Dave, einen neuen Anlauf. Das wirklich Erschreckende an "Get In The Ring" sind dabei nicht einmal die nochmalige Verwertung des infamen Cash-Covers "Ring Of Fire" mit dem unvermeidlichen Dr.Ring-Ding. Auch nicht die von der Faith No More/Boo-Ya-Tribe-Kollaboration ("Another Body Murdered") geklauten Chöre auf der unnötigen Interpretation von Snaps "The Power". Das größte Ärgernis ist vielmehr die über weite Strecken kreative Nullrunde bei den eigenen Tracks: Selbstplagiate wie "Berlin - Monsta City" (sic!) werden durch die Anwesenheit von Gastmusikern (Das Department) auch nicht besser, weniger aufdringliches wie "Lost My Mind" geht gerade noch durch. Mit viel Glück werden die H-Blockx-Anhänger auch "Get In The Ring" noch schlucken. Danach werden die Lichter wohl endgültig ausgehen.


H-Blockx - offizielle Website


Bad Religion - "The Process Of Belief"
(Epitaph/Connected)


Gestern wie heute verleitet eine jede neue Veröffentlichung von Bad Religion die selbsternannten Innovations-Polizisten zum unumstößlichen Verdikt, die atemlosen Punks aus Los Angeles würden ja immer noch gleich klingen. Zwar ist dies nicht völlig falsch, doch würde es schon genügen, "How Could Hell Be Any Worse" (1982) und "Recipe For Hate" (1993) gegenüber zu stellen, um das vorschnell gefällte Urteil zu falsifizieren. Zuletzt präsentierten sich Bad Religion allerdings so schwach, dass man für "The Process Of Belief" das ehemalige Band-Rückgrat Brett Gurewitz zurück ins Boot holte. Das hat ein nach wie vor nicht sonderlich originelles, aber stark verbessertes und vor allem bissigeres Songwriting zur Folge, das wie in dem Song "Epiphany", sogar noch für Überraschungen bürgt.


Bad Religion - offizielle Website


Deine Lakeien - "White Lies"
(Columbia/Sony Music)


Mit unermüdlichen Versuchen, den klischeebehafteten Genres Dark Wave, Synthie-Pop und EBM etwas Sophistication zu verleihen, haben sich der stimmgewaltige Alexander Veljanov und der musikalische Lakaien-Kopf Ernst Horn nicht immer Freunde gemacht. Dass auf "White Lies" vieles immer noch etwas artifiziell und bemüht wirkt, dürfte weder das Duo, noch die treue Fan-Basis weiter stören: Schlechte Kritiken haben den Verkaufszahlen von deutschen Neo-Romantikern und Düstermännern wie Das Ich oder Project Pitchfork nur selten etwas anhaben können. Natürlich ist der Lakaien-Pop feinsinniger und melodieverliebter, Floorfiller wie weiland "Love Me To The End" oder "Fighting The Green" aber sind auf "White Lies" eher rar gesät.


Deine Lakaien - offizielle Website mit Downloads


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