Abgehört Die wichtigsten CDs der Woche

Jede Woche stellt SPIEGEL ONLINE die fünf wichtigsten CD-Neuveröffentlichungen vor. Heute dabei: Introspektives von den Soul-Diven Jennifer Lopez und Whitney Houston, Unausgegorenes von Crazy Town, Retrospektives von They Might Be Giants und Brachiales von der Supergroup Audioslave.

Von Jan Wigger und Andreas Borcholte


Jennifer Lopez - "This Is Me...Then"
(Epic/Sony Music)


Wer glaubt, sich "This Is Me...Then", das neue Album von J.Lo, kaufen zu müssen, der werfe ruhig mal einen Blick ins Booklet: Nach den paar Seiten, auf denen die Lopez rehäugig und nur mit einem Bettlaken bekleidet in die Kamera linst oder beinfrei und pelzbehangen ihrer Limousine entsteigt, folgen noch ein paar weitere Seiten mit Danksagungen, ganz am Schluss die an Ben Affleck: "You are the true definition of a man. You are my life, my sole inspiration". Süß, oder? Siehe hierzu auch "Dear Ben" und fast alle anderen Songs, deren Produktion so makellos ist, dass ein permanentes Gefühl der Überzuckerung nicht ausbleibt. Ein ziemlicher Spaß sind jedoch die Gäste: Styles and Jadakiss auf dem reizenden Geflöte "Jenny From The Block", Nas auf "I'm Gonna Be Alright" und schließlich Loverboy L.L Cool J, der in "All I Have" allerdings hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
Jan Wigger


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Whitney Houston - "Just Whitney..."br> (Arista/BMG)


"This Is Me...Then", "Nichts als die Wahrheit", "Just Whitney..." - es nimmt und nimmt kein Ende mit den ungefragten Nabelschauen. Was sagt eigentlich die Plattenfirma dazu? Die Plattenfirma sagt: "If you're messin' with Whitney, you're loosin' big time". Whitneys uns nicht näher bekannter Drogenberater dürfte auf Grund von Houstons jüngsten Fernsehauftritten schon eher ein mahnendes "Don't mess with Doctor Dream" geäußert haben, doch die berüchtigte Fünf-Oktaven-Frau schlug bereits mit der Single "Whatchulookinat" zurück: "Same spotlights, the ones who gave me fame/ tryin' to dirty up Whitney's name". Ja, mit Whitney ist nicht zu spaßen. Leider auch nicht mit Carlos Santana, der den Schluss des ansonsten wirklich akzeptablen "Tell Me No" gnadenlos zergniedelt. Auch Ehemann Bobby Brown darf mitsingen ("My Love"), die Ballade "Things You Say" ist immerhin ein Highlight, insgesamt gesehen ist auf "Just Whitney..." jedoch kein einziger Song, der das Format von "My Love Is Your Love" oder meinetwegen auch "The Greatest Love Of All" erreicht. Dust yourself off and try again.
Jan Wigger


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They Might Be Giants - "Dial-A-Song: 20 Years Of They Might Be Giants"
(Rhino/Warner Bros.)


Der häufigste Vorwurf an die Adresse des eklektischen New Yorker Duos Flansburgh und Linnell ist der des mutwilligen Klamauks. Das ist sicherlich nicht falsch, übersieht jedoch die Fülle an brillanten Momenten, grandiosen Melodien und schrulligen Geschichten, die die beiden Johns mit Ausnahme ihres größtenteils dämlichen Aussetzers "Factory Showroom" (1997) bis zum jetzigen Zeitpunkt regelmäßig ablieferten. Auch wenn all die Giants-Alben ohnehin zu Hause im Schrank stehen sollten, macht "Dial-A-Song" Sinn: Immerhin eine Handvoll unveröffentlichter Stücke, Soundtrack-Beiträge und eine Auswahl, die nicht weiser hätte ausfallen können. So gibt es auf den beiden CDs mit insgesamt 52 Songs ein Wiedersehen mit dem tragikomischen Song-Primus "They'll Need A Crane", dem zackigen "Ana Ng" und natürlich "Birdhouse In Your Soul", das den unterschätzten Knallköpfen wenigstens ein paar Monate Ruhm bescherte. Außerdem: Ein vorbildlich strammes Booklet mit lustiger Ameise und sämtlichen Texten.
Jan Wigger


They Might Be Giants - offizielle Website


Audioslave - "Audioslave"
(Epic/Sony Music)


Der einstigen Crossover-Sensation Rage Against The Machine gingen nach und nach die Ideen aus, die Grunge-Rocker von Soundgarden stagnierten mit ihrem Abschied "Down On The Upside" (1996) auf gewohnt hohem Niveau, ehe Sänger Chris Cornell mit guter Platte als Solo-Künstler baden ging. Der Name der neuen Band ist Audioslave und man sollte Nachsicht bezüglich dieses doch etwas tumben Einfalls üben, denn Musik wie Besetzung wissen dafür zu entschädigen: Rick Rubin als Produzent und Cornell ohne Soundgarden sowie das nach dem Ausstieg von opinion leader Zack de la Rocha übrig gebliebene Trio von Rage Against The Machine - es funktioniert tatsächlich. Der energetische Teil ("Bring 'Em Back Alive") erinnert an RATM, Getragenes ("I Am The Highway") zitiert die perfekten Momente, die Soundgarden mit "Black Hole Sun" oder "Blow Up The Outside World" hatten. Ein klarer, überraschungsfreier Sieg für das All-Star-Team.
Jan Wigger


Audioslave - offizielle Website


Crazy Town - "Darkhorse"
(Columbia/Sony Music)


Tja, schade. Vor fast zwei Jahren ließen die kalifornischen Jungs von Crazy Town schon die Köpfe hängen, denn keine der Radiostationen wollte Notiz von ihrem Debüt-Album "The Gift Of Game" nehmen. Doch die smarten Beachboys hatten Unterstützung: Kein geringerer als Red Hot Chili Pepper Anthony Kiedis hatte einen Song für die Nachwuchs Raprocker verfasst, den man flugs als Single veröffentlichte. Der Rest ist Chart-Historie, denn "Butterfly" wurde zum Smash-Hit der Saison, das Album, durchaus mit einigen respektablen Eigenkompositionen ("Revolving Door") bestückt, wurde zum Bestseller. Doch nun folgt der Backlash: Was tun it so viel Erfolg? Wie bei vielen anderen Instant-Wundern schlägt sich die Verwirrung durch den schnellen Ruhm auch bei Crazy Town auf dem zweiten Album nieder. "Darkhorse" mag textlich anspruchsvoller sein als der Vorgänger, denn es geht natürlich um oben erwähnte Zeit der Aufregung und Star-Werdung, aber musikalisch murkst das Septett nur noch unausgegoren vor sich hin: Der Stil-Mix, irgendwo zwischen Fugazi, Cheap Trick und - na klar - Chili Peppers angesiedelt, ist derselbe, allein die Höhepunkte fehlen diesmal. Und zwar komplett. Willkommen im Club der One-Hit-Wunder.
Andreas Borcholte


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