Abgenickt Krieg, Klamauk und Klassizismus

Schön gehört? Es gibt eine Soulsängerin, auf die sich R&B-Fans und Motown-Liebhaber einigen können. Konsens besteht auch bei K.I.Z, Boot Camp Clik und Jamie Cullum: Sie alle legen exzellente neue Alben vor.

Von Daniel Haas und Stephan Szillus


Chrisette Michele: "I Am"
(DefJam/Universal)

Dieser Sommer gehört den R&B-Prinzessinnen, allen voran Rihanna mit ihrem Überhit "Umbrella", gefolgt von Ciarra, Amerie und Kelly Rowland. Der Appeal ist sportlich selbstbewusst, Uptempo dominiert - das Ganze muss schließlich bei der Beachparty, im Club und im SUV funktionieren.

Sängerin Michele: Klingt nach Konsens
Universal

Sängerin Michele: Klingt nach Konsens

Das Gegenmodell - die intellektuell satisfaktionsfähige, auf musikalische (Motown) und thematische (Bürgerrechte) Traditionen anknüpfende Soulsängerin - taucht zurzeit allenthalben als Sidekick auf. Erykah Badu hörte man zuletzt ein paar Silben auf Nas' Platte "HipHop is Dead" juchzen.

DefJam schließt die Lücke zwischen Hüpf- und Agenda-Soul mit einem exzellenten Album: Chrisette Micheles "I Am" ist die Quersumme aus den diversen Stillagen, es wird geschmachtet, gebounced oder Kritik geübt. Dies alles mit einer wunderbar jazzigen Stimme, die das Knarrende von Marcy Gray mit dem Timbre Billie Holidays veredelt.

Die Produktion ist solide, zitiert HipHop und klassischen Soul und besticht durch das völlige Fehlen jeglicher Beat-Kapriolen der einschlägigen Soundtüftler. Endlich ein Album ohne Timbaland-Kapriolen, werden Retro-Fans schwärmen; endlich eine Platte ohne programmatische Attitüde die Destiny's Child-Anhänger. So stimmig klang Konsens schon lang nicht mehr.

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