Abgenickt, Weihnachts-Edition Groove? Geschenkt!

Jetzt können Sie einpacken: Die Weihnachts-Edition von Abgenickt präsentiert exzellente Alben des Jahres 2006. Das Beste aus HipHop, Soul und R&B für den Gaben- und Plattenteller.

Von Daniel Haas


Soul
oder ein Weihnachtsbaum mit Discokugeln

Soul-Crooner Rawls: Folklore mit Swing

Soul-Crooner Rawls: Folklore mit Swing

Dröge Weihnachtsfolklore? Schnee von gestern! Afroamerikanische Popstars spielen seit den Sechzigern X-mas-Alben ein und bringen christliches Liedgut auf Trab. Lou Rawls' Interpretation von Festtagsklassikern wie "Little Drummer Boy" und "Jingle Bells" gehören zu den schönsten des Genres.

Wem das Fest zu froh wird, der kann mit Candi Statons exzellenten Lovesongs schmachten: Mit der Platte "His Hands" feierte die große alte Dame des Südestaatensoul dieses Jahr ihr Comeback und präsentierte noch einmal das Lebens- als Liebesdrama.

Auch Frank McCombs Album "The Truth Vol. 2" versteht Soul als romantisches Projekt, weniger tragisch zwar, aber raffiniert, elegant und erwachsen, ein kongenialer Erbe Stevie Wonders. Die Nachtschwärmer unter den Christkindern kommen mit Achtziger-Discosoul in Fahrt: Blockflöten in die Ecke, der Synthesizer übernimmt. Und der Groove der "Nighttime Lovers" rattert durch bis Sylvester.


HipHop
oder Der Erlöser ist da

Rapper Nas: HipHop mit Agenda

Rapper Nas: HipHop mit Agenda

HipHop ist tot, bis zu seiner Wiederauferstehung muss man zum Glück nicht bis Ostern warten. Denn Nas' neues Album "HipHop is Dead" belebt das Genre mit einer Agenda, die Pop auf Politik zu reimen versteht.

Ist Nas eine Art Rap-Erlöser, der die Form von ihren Glamour-Posen befreit, dann ist The Game der verlorene Sohn. Sein Album "The Doctor's Advocate" ist feinste Trauerarbeit um die Beziehung zu seinem Mentor Dr. Dre, eine furiose Oper über Gewalt, Verrat und Liebe in Zeiten der Verteilungs-Kriege.

Von der Westküste rüber nach New York, in die Crack-Küchen des Big Apple: Der Wu-Tang-Rapper Ghostface erzählt auf "Fishscale" von kleinen Gaunern und großen Träumen und legt einen souligen HipHop-Roman über soziales Elend im Hochkapitalismus vor. Auch Sido macht sich seinen Reim auf die Verhältnisse, will aber kein Gangster mehr sein. "Ich bin ein Straßenjunge", rappt er im ersten Hit seines neuen Albums "Ich". Es lohnt sich, diesen Straßenjungen ins Wohnzimmer zu bitten und seinen Erzählungen von Junkies, Gaunern und anderen Verlierern zuzuhören - ein ganzes perfektes Album lang.


R&B
oder Ein Fest für Erwachsene

Sängerin Blige: Soul als Seelenarbeit
REUTERS

Sängerin Blige: Soul als Seelenarbeit

Durchbruch, "Breakthrough", auch dieses Jahr. Mary J. Blige profilierte sich erneut als Leidensqueen des R&B, auch wenn sie vorher "No More Drama" versprach. Aber was wäre ihr Soul ohne die brisante Mischung aus Gewalt und Begehren?

Jaheim ist da pragmatischer, sein Album "Ghetto Classics" kreuzt Romantik und Realismus, erzählt nicht nur von Herzschmerz, sondern auch von sozialer Not, ebenso wie Anthony Hamilton, der ebenfalls keine Luxuskarren oder Model-Nackedeis braucht, um ein Männerleben zu bebildern. "Ghetto Classics" und "Ain't Noboby Worryin'" gehörten zu den herausragenden Beweisen, dass R&B nicht nur von Testosteron, sondern auch von Scharfsinn und sogar Melancholie belebt wird.

Die größte Überraschung des Genres kam 2006 aus Deutschland: Der Hamburger Sänger Valentin Stilu kreierte mit dem Album "Supastereo" erstmals hierzulande ein stimmiges R&B-Idiom. Auf gut Deutsch: Dieser Sänger ist zukunftsweisend. Smart, aber nicht eitel, gefühlvoll, aber nicht kitschig: Deutscher Soul muss nicht christlich (Xavier Naidoo) oder nostalgisch (Stefan Gwildis) sein, um zu überzeugen.


Gut aufgelegt an Weihnachten - die Alben:

Lou Rawls: "Merry Christmas, Baby" (Capitol/EMI)

Candi Staton: "His Hands" (Capitol/EMI)

Frank McComb: "The Truth Vol. 2" (Expansion/Roughtrade)

Various: "Nighttime Lovers 3" (Just Records Babelsberg)

Nas: "HipHop Is Dead" (DefJam/Universal)

The Game: "The Doctor's Advocate" (Universal)

Ghostface Killah: "Fishscale" (Universal)

Sido: "Ich" (Aggro Berlin/Groove Attack)

Mary J. Blige: "The Breakthrough" (Universal)

Valentin Stilu: "Supastereo" (Leifstyle/Indigo)

Jaheim: "Ghetto Classics" (Warner Bros.)

Anthony Hamilton: "Ain't Nobody Worryin'" (Zomba/Sony Bmg)



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