Amtlich Neue Alben von Selim Lemouchi und Robert Pehrsson's Humbucker

Selim Lemouchi & His Enemies: Satanisten tragen jetzt auch bunt
Jérôme Siegelaer

Selim Lemouchi & His Enemies: Satanisten tragen jetzt auch bunt


Liebe "Amtlich"-Freunde und -Hasser, einer der letzten aufrechten Satanisten ist zurück: Selim Lemouchi, der künstlerische Leiter der leider viel zu früh - oder doch gerade rechtzeitig? - dahingeschiedenen The Devil's Blood und zudem ein bewährter Faustkämpfer, hat ein neues Album aufgenommen. Wir präsentieren "Earth Air Spirit Water Fire" hier komplett vorab im exklusiven Stream, eine ausführliche Kritik des sehr sphärischen Werks folgt später. Zuvor gibt es noch eine ziemlich uneingeschränkte Konsum- und Kaufempfehlung des Kollegen Kaiser: Robert Pehrsson's Humbucker.

Bis denne!

Robert Pehrsson's Humbucker - "Robert Pehrsson's Humbucker"
(High Roller/Soulfood, bereits erschienen)

Nee, nee, Robert Pehrsson's Humbucker sind kein Neben- oder Nachfolgeprojekt von Jack Starr's Burning Starr, Arjen Anthony Lucassen's Star One oder gar Rock'n'Rolf's Resterampe (wegen des Apostrophs bitte englisch aussprechen!), sondern eine sinnvolle Zusammenrottung schwedischer Tunichtgute, deren Leben aus nicht viel mehr besteht als aus Gitarren, Girls und selten auch guten Drinks, aber das ist natürlich immer noch besser, als samstags in Suburbia seinen Saab waschen zu müssen, weil man sich irgendwann falsch entschieden hat und die "Regierung" mal wieder rumätzt. Mit anderen Worten: Auch in Skandinavien wachsen die Bäume nicht in den Himmel, da können sie all den geparkten Blagen im Småland noch so viel erzählen, weil's pädagogisch wertvoll sein soll. (By the way: Wieso gibt's bei Ikea eigentlich keine Kartoffeln mehr? Fritten möchte ich nicht, und das Püree taugt nur als Fensterkitt.)

Immerhin: Herr Pehrsson hat sich besser gehalten als Mario Basler.
Kristian Ekeblom

Immerhin: Herr Pehrsson hat sich besser gehalten als Mario Basler.

Pehrssons Mitstreiter jedenfalls sind durch die Bank keine greenhorns, sondern echte big guns der Sverige-Szene, es stöpseln zum Beispiel Nicke Andersson (Imperial State Electric, ex-The-Hellacopters), Peter Stjärnvind (Nifelheim, Black Trip) sowie Olle Dahlstedt (Entombed) ein, Joseph Tholl (Enforcer, Black Trip) singt im Hintergrund, und Fred Estby (ex-Dismember/Carnage), auch an der wunderbar warmen Produktion beteiligt, schüttelt - so steht's im Booklet - shaker und tambourine. Aber kein Gast stiehlt dem Initiator, der u.a. bei Thunder Express, Death Breath, Dundertåget, Imperial State Electric, Slingblade und Dagger (tolle erste 7"-Single ebenfalls auf High Roller Records!) tätig war bzw. ist, die Schau. Seine Vocals vermitteln pure Leidenschaft, und sein Gitarrenspiel gehört zum Eindrucksvollsten, was man in den letzten Jahren so goutiert hat: Der pralle Gibson-Sound ist sehr eigen, das Gefühl für Töne, die man spielt, und Töne, die man besser auslässt, weil nur Poser gniedeln, wie sie können, bewundernswert. Aber das alles wäre ja nix ohne das herrliche Songwriting: Die neun Stücke des Albums, das es gerade mal auf eine halbe Stunde Spielzeit bringt, erinnern stilistisch und in Sachen Sound nicht nur an die besten Zeiten von Thin Lizzy und Kiss, also an deren Siebziger-Jahre-Klassiker, sondern werden zudem getragen von einer an die Achtziger gemahnenden Hook-Verliebtheit, die sich mit einem The-Hellacopters-artigen Rotzrock-Charme aufs magischste vermählt. Nicht ein Lied sorgt für "Mir doch egal!"-Achselzucken, "Haunt My Mind", "Serious", "Wasted Time" und "Who Else Is On Your Mind" sind sogar veritable Hits, und das in Soul, Blues, Funk und Latin wildernde "Can't Change", schwül wie eine Nacht in Bangkok, sollte keinsfalls ein einmaliges Experiment bleiben. C'mon, let's dance! (Gesamtwertung: 8,5) Boris Kaiser

Anspruch: Pehrssons gemeinsames Foto mit Udo Dirkschneider auf dem LP-Beiblatt sagt alles: He wants to be a flash rockin' man, too! (8)

Artwork: 37 Jahr', (mehr oder weniger) blondes Haar. Naja. (7,5)

Aussehen: Dafür, dass Pehrsson den Scheiß seit 1995 oder so durchzieht, hat er sich prima gehalten. Besser jedenfalls als Mario Basler (Vizemeister mit Werder Bremen: 1995), Hartmut Engler (erster Echo: 1995) oder Sir Pommes (einziges Randalica-Album: 1995). (8,5)

(Ich möchte) aussagen: Immer wenn ich mit meiner besseren Hälfte bei Ikea esse, teilen wir uns EIN Softdrink-Glas und füllen nicht schmeckende Light-Cola, nicht schmeckenden Preiselbeer-"Saft" und immerhin okay schmeckende Apfelschorle nach, bis wir platzen. Das bockt! (1,50 Euro gespart) Boris Kaiser

Lemouchi und sein Kollaborateur Robby Geerings stehen auch mal im Wald.
Jérôme Siegelaer

Lemouchi und sein Kollaborateur Robby Geerings stehen auch mal im Wald.

Selim Lemouchi & His Enemies - Earth Air Spirit Water Fire
(Ván Records, erscheint am 6. Dezember)

Um das Album zu hören: auf den Kasten klicken! Oder hier auf diesen Link.



insgesamt 517 Beiträge
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Seite 1
Kuechenchef, 05.05.2011
1.
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Volker Paul, 06.05.2011
2.
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Shiraz, 23.05.2011
3. Frei ohne Titel
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
marks & spencer 23.05.2011
4. re
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
kingofmetal 24.05.2011
5. Nix Versteh
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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