Amtlich Die wichtigsten Metal-Alben des Monats

Paradise Lost: Eine richtige Ohrendroge, gerade in dieser megahektischen Zeit
Century Media

Paradise Lost: Eine richtige Ohrendroge, gerade in dieser megahektischen Zeit

Von und Jan Wigger

3. Teil: Mille von Kreator lobt Black Metal aus Deutschland - plus Hour Of 13


Der Weg einer Freiheit - "Unstille"
(Viva Hate Records. Achtung, erscheint erst am 29. Juni!)

Nikita Kamprad, der geistige Vater der deutschen Antwort auf Wolves In The Throne Room und Liturgy, beschert uns mit seinem neuen Der Weg einer Freiheit-Album zwar nicht den perfekten Sommer-Soundtrack, aber wer braucht den schon? Ohnehin scheint innovativer Black Metal in den Zehner-Jahren nicht mehr die norwegische Eiseskälte zu bedingen, sondern entsteht heute in Brooklyn, Georgia oder eben im beschaulichen Würzburg.

Der Weg einer Freiheit: Auch in den Wäldern um Würzburg ist es düster
1000 Raben

Der Weg einer Freiheit: Auch in den Wäldern um Würzburg ist es düster

Dabei würde es der Sache nur teilweise gerecht werden, bezeichnete man "Unstille" einfach als schnöde Weiterführung der nordischen Dunkelkultur. Huldigten skandinavische Düster-Kombos in ihren Texten oftmals Beelzebub, Astaroth und Co, werden hier, wie schon bei früheren Veröffentlichungen, wieder Gedichte vertont, die man schon fast als Schauerlyrik bezeichnen könnte - wären da nicht immer wieder Textzeilen wie "Unverdrossen, unermüdlich sähen wir das Leben, doch ernten den Tod" aus dem Nackenbrecher "Zu Grunde". Der Weg einer Freiheit sind die Zukunft des deutschen Extrem-Metal. Überdeutlicher geht's nicht! (Gesamtwertung: 10) Mille Petrozza

Hour Of 13 - "333"
(Earache Records, erscheint am 29. Mai)

Wer hat den längsten? Auch in deutschen Redaktionen erfreut sich das ewige Bubenspiel noch immer großer Beliebtheit. Und je höher die Hierarchiestufe, desto kerliger wird's, da mutieren Münder plötzlich zu Hosenställen uind die Männer packen verbal ordentlich aus. Jawohl, meine Damen, da steigt einem die Schamesröte ins Gesicht, aber nicht, weil es besonders frivol zu- und hergeht, sondern weil das Gehabe so furchtbar peinlich ist. Bei "Amtlich" ist es hingegen total okay, den kürzesten zu haben, auch textmäßig, daher wird Mille jetzt unterboten. Denn die US-Amerikaner Hour Of 13 und ihren unaufgeregten, zeitlos klassischen No-Bullshit-Metal muss man gar nicht wortreich anpreisen.

Denn wer es nach dem Vorgänger "The Ritualist" nicht geschnallt hat, schnallt's nimmermehr: Stilvoll verhaltenes Riffing, eingängige, mit Understatement ausgespielte Melodiebögen und der Gesang von Philip Swanson, der bisweilen klingt wie Biff Byford mit einem Hauch vom Helium im Hals, machen das dritte Album mit dem Titel "333" zu einem Schätzchen für echte Kenner von doomig eingefärbten Spät-Siebziger-Klängen. Aber egal: Wer braucht schon viele flüchtige Bekannte, wenn man wenige Freunde fürs Leben haben kann? Noch nicht überzeugt? Dann Fenriz fragen. (Gesamtwertung: starke 8 Punkte) Thorsten Dörting

Anspruch: Einen Götzdienst leisten. (8,5)

Artwork: Vergleichbar mit einem Lottozettel mit Sechs Richtigen. Sieht öde aus, ist aber alles drauf, was man braucht. Hier: Schädel und watt Okkultes. (8,5)

Aussehen: "Aus der Zeit der Eitelkeiten bin ich raus." Ulli Potofski, begnadeter Sportreporter-Darsteller und Autor von "Locke und der Voodoo-Zauber" (verfilmt von Uwe Boll) war schon immer unterschätzt. (8)

Aussagen: So was von egal. (10) Thorsten Dörting



insgesamt 517 Beiträge
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Seite 1
Kuechenchef, 05.05.2011
1.
Tides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Volker Paul, 06.05.2011
2.
Zitat von KuechenchefTides from Nebula habe ich neulich live gesehen, es scheinen recht nette, unprätentiöse Zeitgenossen zu sein. Der musikalische Eindruck war obendrein exzellent. Was aber letztlich nichts daran ändert: postrock ist ja doch irgendwie nur eine Krücke für manche erwachsene Männer, die zwar einerseits auf Pomp, Bombast und Pathos nicht immer verzichten mögen, deren Fremdschämtoleranzgrenze (womöglich verschoben im Laufe der Jahre) aber andererseits deutlich zu hoch angesiedelt ist, um "Gesang" und/oder "Texte" klassischer Metal-Kapellen noch ertragen zu können. Blood Ceremony ist ganz ok, Black Mountain ist mir aber lieber, denn da wird weitesgehend auf Flöten verzichtet. FLÖTEN. Vielleicht das Heavy Metal-Instrument schlechthin, denn zumindest für meine Ohren klingen sie, als kämen sie direkt aus der Hölle. Warum Iren mit verzerrten Gitarren jammern und nölen dürfen, die ohne aber nicht, erschließt sich mir abschließend irgendwie aber trotzdem oder gerade deshalb rein gar nicht.
Herr jeh ... fein, fein. Aber die Pentagram-Scheibe finde ich trotzdem gut.
Shiraz, 23.05.2011
3. Frei ohne Titel
Zitat von sysopJan Wigger und Thorsten Dörting besprechen in der neuen Kolumne "Amtlich" aktuelle Metal-Alben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Ihre Meinung? Welches sind besten neuen Metal-Werke?
Ich habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
marks & spencer 23.05.2011
4. re
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Dann bleiben Sie doch lieber bei Ihren Schlagern.
kingofmetal 24.05.2011
5. Nix Versteh
Zitat von ShirazIch habe nie verstanden, warum Metal manchmal in der Kategorie Musik erscheint. Halte das für ein Missverständnis. Eigentlich ist es nur Lärm, vergleichbar einem Presslufthammer oder einem startenden Flugzeug.
Gut, dass Sie zugeben, keine Ahnung zu haben. Metal ist nämlich viel lauter... :-)
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