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Roger-Waters-Album "Amused to Death": Der halbe Pink-Floyd-Sound

Foto: Lisa Maree Williams/ Getty Images

Roger Waters legt Soloalbum neu auf Released to Death

Wie gern hätte Roger Waters mit seinen Solowerken an die Erfolge von Pink Floyd angeknüpft. War aber nicht. Trotzig lässt er nun seine Lieblingssoloplatte "Amused to Death" renoviert neu auflegen.

Wahrscheinlich kann es Roger Waters immer noch nicht fassen, dass Pink Floyd einfach weiter machten, nachdem er die von ihm mitgegründete Band 1985 im Streit verlassen hatte. Besonders auf den Gitarristen David Gilmour, seinen Lieblingsfeind innerhalb der Band, war der zum Jähzorn neigende Rogers so sauer, dass er zeitweilig Toilettenpapier mit aufgedrucktem Gilmour-Gesicht benutzte, wie er mal sagte.

Waters, der nicht zur Bescheidenheit neigt, war bei Pink Floyd zur treibenden Kraft aufgestiegen, nachdem sein Band-Kumpel Syd Barrett sich Ende der Sechzigerjahre im Drogennebel verirrt hatte. Bei den größten und erfolgreichsten Pink-Floyd-Platten "The Dark Side of the Moon", "Wish You Were Here", "Animals" und selbstverständlich "The Wall" war Waters dann die bestimmende kreative Kraft. "The Wall" war letztlich ein Soloalbum von Waters, bei dem alle anderen nur Nebenrollen hatten.

Sie spielten in Arenen, er in Mehrzweckhallen

Umso erstaunlicher ist es, dass Waters' echte Soloplatten, die nach Pink Floyd kamen, allesamt nicht einschlugen. Oder wer erinnert sich an "The Pros and Cons of Hitch Hiking", "Radio K.A.O.S." oder "Amused to Death"? Eben. Selbstverständlich liefen die ganz gut, waren aber Lichtjahre entfernt von den Erfolgen, die Waters einst mit Pink Floyd gefeiert hatte.

Auch nicht erfreulich für Waters war, dass seine Ex-Kollegen den Namen Pink Floyd nutzten, was er ihnen auch nicht gerichtlich verbieten konnte. Sie spielten in vollen Arenen, während er sich mit halbleeren Mehrzweckhallen begnügen musste.

Der Stachel dieser Niederlage sitzt bei dem Mann wohl immer noch so tief, dass er seine Alleingänge aufpolieren lässt. So erscheint nun seine Lieblingssoloplatte "Amused to Death" als renovierte und überarbeitete Neuauflage - um dem Werk vielleicht doch noch zu der Beachtung zu verhelfen, die Waters für angemessen hält.

Die Verblödung vor den Fernsehern und der Golfkrieg

"Amused to Death" erschien ursprünglich 1992 und ist, wie all seine ambitionierten Songsammlungen, ein Konzeptalbum. Er ließ sich dafür von Neil Postmans Bestseller "Wir amüsieren uns zu Tode" von 1985 inspirieren, in dem es sinngemäß hieß, wir tauschten Bürgerrechte gegen Entertainment ein und verblödeten allesamt vor den Fernsehern, wenn wir nicht auf der Hut seien. In Songzeilen verpackt hört sich die Gesellschaftskritik so an: "Doctor, Doctor, what is wrong with me / This supermarkt life is getting long / What is the heart life of a colour TV / what is the shelf life of a teenage queen".

Es gibt auch noch weitere schwere Gedanken auf dem Album, zum Beispiel Kritik am ersten Golfkrieg. Wem derartige Inhalte schnuppe sind, der kann sich immerhin an diversen Momenten erfreuen, die auf "Amused to Death" an Pink Floyd erinnern.

Aber letztlich ist diese Platte ein Beleg dafür, dass die anderen bei Pink Floyd eben doch nicht so unwichtig waren, denn ohne Gilmour, Mason und Wright fehlt den Waters-Songs etwas. Vermutlich wird Waters' Laune im September wieder auf den Gefrierpunkt sinken, wenn Gilmours neue Soloplatte "Rattle That Lock" erscheint. Waters könnte sich vielleicht damit trösten, dass die wie eine Pink-Floyd-Platte ohne Waters klingt - und damit auch nicht wirklich zwingend ist.

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