Wegen Schweigens zu Putin Mehrere Konzerthäuser stoppen Zusammenarbeit mit Anna Netrebko

Die Metropolitan Opera und die Berliner Staatsoper haben sich schon von Sängerin Anna Netrebko distanziert – nun folgt das Festspielhaus Baden-Baden. Ihre Haltung zu Putin wird für die Künstlerin zum immer größeren Problem.
Anna Netrebko: »Keine Möglichkeit für eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit«

Anna Netrebko: »Keine Möglichkeit für eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit«

Foto: JOE KLAMAR / AFP

Die russische Starsopranistin Anna Netrebko wird angesichts des Kriegs in der Ukraine auch nicht bei den Osterfestspielen Baden-Baden 2022 singen. Das Festspielhaus teilte mit, wegen der Entwicklungen rund um ihre Person sei ein Auftritt im Rahmen der Osterfestspiele nicht möglich. Den Verzicht in diesem Jahr hätten Künstlerin und Festspielhaus einvernehmlich vereinbart. »Eine zukünftige Zusammenarbeit schließen aber beide Seiten nicht aus.« Wer schon Karten für das mit den Berliner Philharmonikern geplante Konzert am 13. April habe, werde individuell angeschrieben und über alternative Möglichkeiten informiert.

Am Vortag hatte bereits die Berliner Staatsoper Unter den Linden verkündet, dass Netrebko ihre dortige Teilnahme an der »Turandot«-Produktion zurückgezogen habe. Wie das Opernhaus mitteilte, hatte es Netrebko zuvor aufgefordert, sich vom völkerrechtswidrigen Vorgehen der russischen Regierung in der Ukraine zu distanzieren. Angesichts des »brutalen Kriegs« sehe man »keine Möglichkeit für eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit«. Netrebko hätte im Juni und Juli bei acht Aufführungen die Rolle der Turandot in Berlin verkörpern sollen.

Netrebko zog öffentliche Unterstützung für Wladimir Putin nicht zurück

Auch die New Yorker Metropolitan Opera hat ihre die Zusammenarbeit mit der Sängerin vorerst auf Eis gelegt. Das Opernhaus habe Netrebko aufgefordert, ihre öffentliche Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurückzuziehen. Dies habe die Sängerin aber nicht getan, teilte die Oper mit. Daraufhin habe Netrebko sich von geplanten anstehenden Auftritten zurückgezogen. Zuvor hatte die Metropolitan Opera bereits angekündigt, vorerst nicht mehr mit Künstlern oder Institutionen zusammenarbeiten zu wollen, die Putin unterstützen.

Netrebko steht in der Kritik, weil sie sich nicht eindeutig vom russischen Präsidenten Wladimir Putin distanziert. Vor wenigen Tagen hatte sie sich zwar öffentlich gegen den Ukrainekrieg ausgesprochen – nicht aber gegen Putin. Auch andere Opernhäuser sagten in den vergangenen Tagen Auftritte der Sängerin ab, darunter das Opernhaus Zürich. »Es ist nicht die richtige Zeit für mich, aufzutreten und zu musizieren«, wurde Netrebko zitiert. »Ich habe deswegen entschieden, mich bis auf Weiteres von Auftritten zurückzuziehen.«

Das Festspielhaus Baden-Baden hatte jüngst auch seine Zusammenarbeit mit dem russischen Dirigenten Waleri Gergijew bis auf Weiteres beendet. Die mangelnde Distanz Gergijews »zum aktuellen menschenverachtenden Vorgehen des russischen Präsidenten hat für uns den Ausschlag gegeben«, erklärte Intendant Benedikt Stampa dazu. »Wir vertreten offensichtlich nicht mehr die gleichen Werte.«

ime/dpa