Umstrittene Star-Sopranistin Anna Netrebko plant Comeback auf deutschen und europäischen Bühnen

Wegen ihrer Nähe zum Putin-Regime verlor Anna Netrebko ihr deutsches Management, zahlreiche Konzerte wurden abgesagt. Nach ersten Auftritten will die russische Sängerin nun auf die großen Bühnen Europas zurück.
Anna Netrobko, hier 2021 bei einem Auftritt in Salzburg: Zurück auf den großen Bühnen

Anna Netrobko, hier 2021 bei einem Auftritt in Salzburg: Zurück auf den großen Bühnen

Foto: Franz Neumayr / dpa

Es dauerte länger als einen Monat, bis Anna Netrebko klare Worte zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine fand. Ende März ließ sie über ihren deutschen Rechtsanwalt Christian Schertz erklären, dass sie den »Krieg gegen die Ukraine« ausdrücklich verurteile. Ihre Gedanken seien »bei den Opfern dieses Krieges und deren Familien«. Als Folge des Statements fiel die russische Star-Sopranistin in Russland in Ungnade und musste mitansehen, wie dort geplante Auftritte von ihr gestrichen wurden.

Zuvor hatte sich bereits ihr deutsches Management von der Berliner Agentur Centre Stage Artist (CSAM) von ihr getrennt, und die meisten ihrer Auftritte in Deutschland und Europa waren bereits abgesagt worden. Hintergrund war Netrebkos große Nähe zu Wladimir Putin und dessen Politik vor dem Ukrainekrieg: Die Sängerin hatte vergangenes Jahr ihren 50. Geburtstag im Kreml gefeiert und die Krim-Annexion begrüßt.

Regensburg, Köln und Hamburg

Jetzt gelingt Netrebko, die überwiegend in Österreich lebt, trotz der massiven Kritik an ihr offenbar ein Comeback an europäischen Bühnen: Nach jüngsten Auftritten in Monaco und Paris will sie auch wieder in Deutschland singen.

Netrebko werde noch in diesem Jahr zusammen mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov für Konzerte unter anderem nach Regensburg, in die Kölner Philharmonie und die Hamburger Elbphilharmonie kommen. Dies verkündete am Freitag die Deutsche Entertainment AG, die für die Durchführung der Veranstaltungen zuständig ist.

Schon kurz nach dem Rauswurf bei ihrer Berliner Agentur war bekannt geworden, dass Netrebko zukünftig von Maxim Berin mit Sitz in Monaco gemanagt wird. Der hatte die Künstlerin davor nur in Osteuropa vertreten, nun kümmert er sich weltweit um ihre Belange.

In Monaco hatte Netrebko im vergangenen Monat auf der Bühne der Monte-Carlo Opera ihren ersten Auftritt nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine, am Mittwoch folgte ein Konzert in der Pariser Philharmonie. Dort interpretierte Netrebko Werke von Rachmaninow, Debussy und Tschaikowsky. Die Besprechungen waren zum Teil begeistert.

Die Scala in Mailand und die Arena di Verona

Die ukrainische Botschaft reagierte indes mit heftiger Kritik auf den Pariser Auftritt. Es sei empörend, dass das Konzert stattgefunden habe. Der Missklang zwischen der französischen öffentlichen Meinung, die die Ukraine unterstütze, und der Heuchelei des Publikums, das der »Kreml-Sopranistin« applaudiere, sei traurig, teilte die diplomatische Vertretung mit. Ein paar Dutzend Demonstranten hatten vor der Pariser Konzertbühne gegen das Konzert protestiert.

Für 2023 ist eine Welttournee Netrebkos geplant. Wie die Deutsche Entertainment AG ankündigt, sind im nächsten Jahr Auftritte an so prestigeträchtigen Bühnen wie der Scala in Mailand, in der Arena di Verona oder im Teatro Colón in Buenos Aires geplant.

cbu/dpa