»Nicht die richtige Zeit, aufzutreten« Anna Netrebko sagt Konzerte ab

Die russische Sopranistin Anna Netrebko hat kurzfristig Auftritte abgesagt, auch einen in Deutschland. Zuvor hatte es Kritik an ihrer Haltung zu Putin gegeben.
Anna Netrebko bei einem Konzert im Dezember 2021

Anna Netrebko bei einem Konzert im Dezember 2021

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Roman Vondrous / CTK / picture alliance / dpa

Anna Netrebko will sich bis auf Weiteres aus dem Konzertleben zurückziehen. Ihr Konzert in der Elbphilharmonie in Hamburg, das am Mittwoch stattfinden sollte, ist zunächst abgesagt und auf September verschoben worden. Auch ihren Auftritt in der Mailänder Scala hat die Sängerin österreichischen Medien zufolge abgesagt. Netrebko sei, hieß es in einer Pressemitteilung, angesichts der aktuellen Situation nicht in der Lage, zu singen.

»Nach reiflicher Überlegung habe ich die äußerst schwierige Entscheidung getroffen, mich bis auf Weiteres aus dem Konzertleben zurückzuziehen. Es ist nicht die richtige Zeit für mich, aufzutreten und zu musizieren. Ich hoffe, dass mein Publikum diese Entscheidung verstehen wird«, teilte die Sopranistin in einer Presseerklärung mit. Allerdings äußerte sich Netrebko darin nicht politisch, Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wird nicht weiter erwähnt.

Geburtstag im Kreml

Die Sängerin steht seit geraumer Zeit wegen ihrer Nähe zu Wladimir Putin in der Kritik. Sie hatte im vergangenen Jahr im Kremlpalast in Moskau mit einer großen Gala, bei der auch Glückwünsche Putins verlesen wurden, ihren Geburtstag gefeiert. Vor zehn Jahren warb sie für Putins Wiederwahl. 2014 posierte sie mit einem Donezker Separatistenführer, der die »neurussische« Fahne schwenkt, das Symbol der abtrünnigen Ostukraine, und engagierte sich deutlich für die Sache der Separatisten. Der Oper der umkämpften ostukrainischen Stadt Donezk spendete sie eine Million Rubel.

Auch die Konzerte mit Waleri Gergijew, dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, sagte die Elbphilharmonie ab. »Infolge des anhaltenden Schweigens zur russischen Invasion in der Ukraine von Waleri Gergijew sind die an Ostern geplanten beiden Konzerte mit ihm und dem Orchester des Mariinski-Theaters in der Elbphilharmonie nunmehr abgesagt«, teilte das Konzerthaus am Dienstag mit.

Damit reagierte die Elbphilharmonie darauf, dass Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter am Dienstag die Zusammenarbeit mit Waleri Gergijew wegen dessen Nähe zum russischen Präsidenten mit sofortiger Wirkung beendet hatte. Im Gegensatz zu Gergijew erklärte Netrebko vor Kurzem öffentlich, dass sie gegen diesen Krieg sei. Sie sei keine »politische Person«, erklärte sie auf Facebook und Instagram. Es sei nicht richtig, Künstler dazu zu zwingen, Position zu beziehen.

Zuvor hatte auch das Festspielhaus Baden-Baden angekündigt, ein Gespräch mit der russischen Sopranistin zu suchen. Sie sollte die Gelegenheit bekommen, Fragen zu beantworten, hieß es. Netrebko soll am 13. April mit den Berliner Philharmonikern in Baden-Baden auftreten. Auf SPIEGEL-Nachfrage bestätigte das Festspielhaus, dass Netrebko diesen Auftritt noch nicht abgesagt habe.

evh/cpa/dpa