»Another Love« Wie ein altes Liebeslied von Tom Odell durch den Iran-Protest zum neuen Hit wird

»Wenn jemand Dir wehtut, will ich kämpfen«: Ein schon 2013 veröffentlichtes Liebeslied des britischen Songwriters Tom Odell ist durch die Proteste im Iran wieder in die Charts gespült worden.
Tom Odell (im »Another Love«-Video): Auf Platz neun der deutschen Charts

Tom Odell (im »Another Love«-Video): Auf Platz neun der deutschen Charts

Es ist eigentlich ein Song über Liebe und Frustration, mit dem Tom Odell als Newcomer vor zehn Jahren recht erfolgreich war: Mit »Another Love«  kam der britische Songwriter 2013 immerhin auf Platz elf der deutschen Charts. Jetzt erlebt der alte Song gerade eine große Rückkehr: Er ist in Deutschland schon auf Platz neun geklettert und in vielen Ländern noch viel höher.

Grund sind die Worte aus seinem Songtext, die Menschen in vielen Ländern aus Solidarität mit den Demonstrantinnen im Iran zur Protesthymne erhoben haben. Die Zeilen lauten so: »And if somebody hurts you, I wanna fight/ But my hands been broken one too many times/ So I'll use my voice, I'll be so fucking rude/ Words they always win, but I know I'll lose.« Übersetzt etwa: Wenn jemand Dir wehtut, will ich kämpfen, aber meine Hände sind zu oft gebrochen worden. Deshalb nutze ich meine Stimme, ich werde so verdammt unverschämt sein, Worte werden immer gewinnen, auch wenn ich weiß, dass ich verlieren werde.

Auch Kebekus singt »Another Love«

In sozialen Medien haben Frauen, die sich etwa in Solidarität mit den Iranerinnen Haare abschneiden, ihre Aktion oft mit dem Song unterlegt. Im Oktober sang die Komikerin und Sängerin Carolin Kebekus ihn in ihrer Fernsehshow. Sie sagte, Iranerinnen, die sich nicht frei äußern können, bäten andere darum, ihre Stimme für sie zu erheben. Der Sender schaltete dann von Kebekus auf den Platz vor den Kölner Dom, wo Hunderte mit Kerzen in der Hand in den Song einstimmten.

Odell, heute 32, hat seinen Song aber auch selbst schon mal in anderen Kontexten als Mutmacher in Position gebracht: Im März setzte er sich in einem Bahnhof in Rumänien ans Klavier und spielte »Another Love« für ankommende Flüchtlinge aus der Ukraine. Auch da kletterte das Lied bereits hier und da wieder in die Charts. Da begann das eigentliche Comeback des Songs. Bei einem Konzert im September in Hannover widmete Odell den Song dann den Frauen in Iran. »Wir sind hier in Hannover vielleicht weit weg vom Iran, aber ich hoffe und glaube, ich spreche für jeden hier im Saal, dass wir zusammen einstehen für jeden, der für die Menschen- und Frauenrechte kämpft«, sagte er dort.

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Wie aber kommt das Lied nach so vielen Jahren wieder in die höheren Ränge der Hitparade? »Ein Song muss häufig gestreamt werden, aber es zählen auch Downloads oder echte Platten«, sagt Hans Schmucker von GfK Entertainment, die jede Woche die offiziellen deutschen Charts erstellen. Beschleuniger seien die sozialen Medien. »Tiktok ist ganz wichtig geworden, das ist ja fest in der jüngeren Zielgruppe verankert«, so Schmucker. Dort gebe es viele Videoschnipsel von dem Song. »Das hat dann richtig Wucht.«

Im Iran selbst spielt »Another Love« allerdings kaum eine Rolle. Dort ist ein anderer Song zur Protesthymne geworden: »Baraye« . Es ist eine Ballade, die der Sänger Scherwin Hadschipur zu Beginn der Proteste aus Tweets zusammenstellte, in denen Protestierende schrieben, warum sie auf die Straße gehen. Er wurde festgenommen und musste sich – wahrscheinlich unter massiver Einschüchterung – dafür entschuldigen. Der Song ist aber geblieben.

cbu/dpa
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