Auftrittsverbot für Mashrou Leila in Ägypten "Das ist verdorbene Kunst"

Weil Fans beim Konzert in Kairo Regenbogenfahnen schwenkten, soll die libanesische Band Mashrou Leila nicht mehr in Ägypten spielen dürfen. Solidarität mit Homosexuellen ist in dem konservativen Land verpönt.

Hamed Sinno (rechts), Sänger der Band Mashrou Leila bei einem Konzert im Libanon 2017
REUTERS

Hamed Sinno (rechts), Sänger der Band Mashrou Leila bei einem Konzert im Libanon 2017


Wegen einiger Regenbogenfahnen bei ihrem Konzert in Kairo soll Mashrou Leila, die wohl bekannteste Indie-Rockband der arabischen Welt, nicht mehr in Ägypten auftreten dürfen. Das sagte der zuständige Verband für Musiker am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Nach dem Konzert der libanesischen Gruppe vor Tausenden von Zuschauern in Kairo, begannen in den sozialen Medien des konservativen Landes hitzige Debatten - weil einige Zuschauer Regenbogenflaggen als Symbol für Toleranz in die Höhe gehalten hatten. Viele Nutzer beschimpften in Tausenden von Kommentaren Homosexuelle und wünschten ihnen den Tod. "Dieses Land braucht etwas wie Hiroshima, um es von diesem Dreck zu reinigen", postete ein User.

Die Indierockband Mashrou Leila ist weit über die arabische Welt hinaus bekannt und spielt auch regelmäßig in den USA und in Europa. Ihrem schwulen Sänger Hamed Sinno schlägt vor allem in Ländern des Nahen Ostens viel Ablehnung entgegen. Die Gruppe darf beispielsweise nicht in Jordanien auftreten.

"Ich hatte gestern ein Treffen mit dem Verband, und wir haben uns entschieden, alle Genehmigungen zurückzuziehen, die Mashrou Leila erlaubten, Konzerte in Ägypten zu spielen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Musikerverbandes, Reda Ragab. Die Entscheidung müsse aber noch vom gesamten Vorstand abgesegnet werden.

Homosexualität nicht verboten, aber tabu

"Das ist verdorbene Kunst", so Ragab weiter. Sie unterstütze die Werte der Gesellschaft nicht. Obwohl die Fahnen dabei von Zuschauern gehalten wurden, sieht er die Schuld bei den Musikern: "Sie müssen sich mit dem Zuschauern abgesprochen haben, weil das ihr Symbol ist. Seit wann geben sich Homosexuelle öffentlich zu erkennen?"

Homosexualität ist in Ägypten zwar nicht gesetzlich verboten, aber ein gesellschaftliches Tabu. In der Vergangenheit wurden angeblich schwule Männer trotzdem unter anderem wegen Verachtung der Religion verurteilt.

Um in Ägypten spielen zu dürfen, brauchen ausländische Bands eine Erlaubnis des Musikerverbands, der Zensurbehörde und eines Sicherheitsbüros im Innenministerium. Letzteres hat dem Verband zufolge im Zweifelsfall das letzte Wort.

bsc/dpa

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