Australiens alternative Hymne Welthit "Down Under" ist teilweise ein Plagiat

Ein australischer Richter hat entschieden: Die Rockband Men At Work hat einen Teil ihres berühmtesten Songs "Down Under" abgeschrieben - von einem Kinderlied über einen Vogel. Doch dessen Rechteinhaber erhält einen geringeren Anteil an den Tantiemen als erhofft.
Fünf Jägerliesten - auf englisch: Kookaburras - sitzen "Down Under" auf einem Baum.

Fünf Jägerliesten - auf englisch: Kookaburras - sitzen "Down Under" auf einem Baum.

Foto: © Mark Baker / Reuters

Sydney/Hamburg - Die australische Rockband Men At Work muss einen Teil ihrer Einnahmen für ihren größten Hit "Down Under" an eine Musikfirma abtreten. Ein Richter am Bundesgericht in Sydney sah es am Dienstag als erwiesen an, dass die Musikgruppe eine charakteristische Flöten-Melodie in dem Song aus dem Jahr 1981 von dem Kinderlied "Kookaburra Sits In The Old Gum Tree" abgekupfert hat.

Die Musikfirma Larrikin hält die Rechte an dem Lied über den Vogel (der auf deutsch Jägerlieste heißt), und forderte wegen Plagiats eine Beteiligung in Höhe von 60 Prozent an den Einnahmen des Hits. Statt der geforderten Millionensumme erhält sie allerdings nur einen weitaus kleineren Betrag. Richter Peter Jacobson sprach dem Unternehmen eine Entschädigung in Höhe von fünf Prozent der Einnahmen seit 2002 und für die Zukunft zu. Branchenkenner schätzten die Summe auf einen sechsstelligen Beitrag in australischen Dollar - das wären höchstens 673.000 Euro. Die Forderungen des Musikverlages bezeichnete der Richter als "übertrieben und unrealistisch."

Die Lehrerin Marion Sinclair hatte den Kookaburra-Song 1934 für eine Art Pfadfinderinnen-Magazin komponiert. In der Folgezeit wurde er zu einem der beliebtesten australischen Kinderlieder.

"Down Under" wiederum war in den frühen achtziger Jahren ein Welthit und wurde sogar bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 2000 in Sydney gespielt. Das Lied ehrt die in Australien beliebten "Vegemite"-Sandwiches und das Land, in dem "women glow and men plunder" ("wo Frauen erglühen und Männer plündern"). Es wird auch von deutschen Rundfunkstationen regelmäßig gespielt. Viele Exil-Australier sehen "Down Under" als eine Art alternative Nationalhymne an.

Die Ähnlichkeit der Melodien war 2007 in der Fernsehsendung "Spicks and Specks" aufgefallen, einem Musikquiz im australischen Sender ABC. Erst danach ging der Copyright-Inhaber vor Gericht. In der Verhandlung wies Men-At-Work-Sänger Colin Hay, einer der beiden Komponisten von "Down Under", den Vorwurf des bewussten Melodiediebstahls zurück. Er gab allerdings zu, selbst gelegentlich den Text des Kookaburra-Songs auf das Flötensolo zu singen, berichtete die australische Zeitung "Herald Sun".

Bundesrichter Jacobson sagte, es gebe in "Down Under" "mehrere Referenzen" zu anderen Hits. Der Beitrag der beiden abgekupferten Takte aus dem Kookaburra-Song an der Gesamtmelodie müsse jedoch als "ziemlich gering" eingeschätzt werden, begründete er seine Entscheidung.

Martin Armiger, früher Sänger bei der australischen Band The Sports, hatte bei einer Anhörung der Zeitung "The Australian" zufolge die Verwendung von "Kookaburra Sits In The Old Gum Tree" mit dem Zitat der Marseillaise in "All You Need Is Love" verglichen. Eine passende Referenz: So wie die Beatles die französische Nationalhymne, so dürften auch Men At Work - wie bewusst auch immer - die Kookaburra-Melodie ihres symbolischen Gehalts wegen eingebaut haben. Auch wenn die Ähnlichkeit gar nicht so einfach zu erkennen ist:

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

feb/dpa/AFP/AP
Mehr lesen über