B. B. King auf Abschiedstournee "I will be back no more"

Ein letztes Mal lässt er live seine Gitarre "Lucille" schluchzen: B.B. King, der fast 80-jährige Großmeister des Blues, hat in Hamburg seine Abschiedstournee durch Deutschland begonnen. So ganz wollen seine Fans nicht glauben, dass "der König" wirklich abdanken will.


Der King im Stadtpark: "Groove, baby!"
DDP

Der King im Stadtpark: "Groove, baby!"

Hamburg - "Are you ready?" Der Altmeister will es wissen. Und selbstverständlich sind sie bereit für B.B. King. Etwa 3000 Fans sind am Freitagabend zum Openair in den Hamburger Stadtpark gekommen. Ein letztes Mal wollen sie die Blues-Legende erleben, denn King wird im September 80 und nimmt aus diesem Anlass mit einer letzten großen internationalen Tournee Abschied von den Konzertbühnen. Hamburg ist die erste Station dieser "Final Farewell Tour" in Deutschland.

Noch einmal zelebriert der Altmeister seinen berühmten Auftritt: Die acht Musiker seiner "B.B. King Blues Band" intonieren zwei Stücke, langsamen, gewalzten Blues, der vom ersten Akkord an unter die Haut geht. Und dann kommt er: "The exciting Mr. B.B. King!", wie ihn seine Band ankündigt. Er greift in die Saiten seiner "Lucille", lässt sie jubeln, und die 3000 jubeln mit. "Hallo, Hamburg/Mississippi!", begrüßt er sie in Anspielung auf die schwüle Hitze fast wie im amerikanischen Süden.

Tanz auf dem Stuhl

"I need you so" singt King als Liebeserklärung an das Publikum. Noch einmal zeigt der Altmeister, was die Musik des schwarzen Amerika in ihrer langen Tradition zu bieten hat, präsentiert zugleich auch ein Feuerwerk an Modernem. King kokettiert mit seinem Alter, entschuldigt sich, dass er sitzen bleibt - die Knie und das Kreuz wollen nicht mehr richtig mitmachen. Doch wenn er die Menge mit der Aufforderung "Groove, honey!" in Bewegung setzt, vollführt er selbst einen Tanz auf seinem Stuhl. Für die Fans hat er nichts an Kraft und Ausstrahlung verloren.

King zieht alle Register vom traditionellen Rhythm and Blues über temperamentvollen Boogie und Elemente des Rock 'n' Roll, den er wesentlich mit prägte, bis hin zu den wiegenden Klängen des langsamen Blues. Er heizt dem Publikum ein mit "I did what I did before love came to town", einem Titel, von dem er sichtbar stolz verkündet, U2-Frontmann Bono habe den Song extra für ihn geschrieben. Dann folgen Klassiker wie sein berühmtes "Early in the morning I ain't got nothing but the blues".

Jazz-Fräuleinwunder heizt an

Und B.B. King bliebe sich nicht treu, forderte er nicht immer wieder auch den Tribut des Publikums für seine geliebte "Lucille", die berühmte schwarze Gibson in seinem Arm, ohne die er keine Bühne betritt. Er spielt sie mal sentimental sehnsuchtsvoll, mal aggressiv kraftvoll, wie er auch die Frauen neckt mit einem "shaking boogie" wie "Just like a woman". Doch nur, um gleich darauf musikalische Abbitte zu leisten mit "You are my sunshine" und einem charmanten "Ladies are the greatest creation".

Doch auch nach dem mitreißendsten Konzert kommt dem Publikum am Ende die traurige Erkenntnis: Es wird das wohl das letzte bleiben. Denn der "King of Blues" singt plötzlich "I will be back no more" und "So good bye, baby". Protest wird laut, als er sagt: "That's the last one". Die Fans im Alter zwischen sieben und 70 nutzen es bis zum letzten Akkord von "Please accept my love". Und verabschieden sich mit minutenlangen stehenden Ovationen.

Begleitet wird King bei der "Final Farewell Tour" von hochkarätigen Gästen. Mit dabei sind je nach Tourstation abwechselnd oder gemeinsam Soul-Lady Randy Crawford, Souljazz-Ikone Oleta Adams und als Dauergast auf allen Etappen, das erst 16-jährige Jazz-Fräuleinwunder Renee Olstead, die King erstmals in Hamburg präsentierte und als große musikalische Entdeckung in dem Musikgenre gilt.

Michael Best, ddp

(Tourdaten: Bonn 25.6., Mainz 30.6., Hannover 1.7. und Berlin 2.7.)



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