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17. Juli 2015, 08:51 Uhr

Background-Band Nashville Cats

Alle für Cash!

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Kein verschnarchtes Country-Kaff: Nashville in Tennessee wandelte sich Ende der Sechziger zum Hotspot der Popwelt. An die Ära und eine umtriebige Gang von Studio-Assen namens Nashville Cats erinnert nun eine fabelhafte Sammel-CD.

Als Bob Dylan am 9. Juni 1969 gemeinsam mit Johnny Cash in dessen TV-Show auftrat, war das ein Treffen der besonderen Art. Cashs Tochter Rosanne meint rückblickend sogar, dass dieses Ereignis mit dem "Fall der Berliner Mauer" zu vergleichen sei. Aber das ist wohl eine US-amerikanische Perspektive.

Das sehr ungleiche Duo Dylan und Cash sang damals vor laufenden Kameras in schönster Harmonie Songs wie Dylans "Girl From the North Country". Damit versöhnten sich zwei verwandte und doch sehr fremde Welten. Auf der einen Seite war da die als erzkonservativ und behäbig verschriene Country-Szene in Nashville, Tennessee, auf der anderen Seite der junge, wilde Freidenker-Barde aus New York. Weil Cash und Dylan aber trotzdem aufsehenerregend harmonierten, war die Außenwirkung auf viele Kollegen phänomenal.

Dylan war bereits 1966 in die Country-Metropole Nashville gereist, um dort sein Album "Blonde on Blonde" einzuspielen - nachdem er zufällig mit einem Multiinstrumentalisten aus der Provinzstadt auf der Bühne einen Song improvisiert hatte. Daheim in New York war er mit dem Projekt auf keinen grünen Zweig gekommen. Sein Manager Albert Grossman wollte den Nashville-Plan anfangs verhindern, und Dylan selbst provozierte in der konservativen Südstaaten-Stadt noch mit seinen langen Haaren. Aber am Ende herrschte Einigkeit darüber, dass "Blonde on Blonde" ein großer Wurf geworden war.

Pro Woche mit drei verschiedenen Künstlern im Studio

Dieser überraschende Triumph leitete ein neues Kapitel in Dylans Karriere ein, machte aber vor allem klar, dass Nashville musikalisch kein verschnarchtes Country-Kaff war, sondern ein spannender Ort, um frische Musik zu produzieren. So folgten Dylan in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern Größen wie Neil Young, Leonard Cohen, Steve Miller, The Monkees, Simon & Garfunkel, George Harrison, Paul McCartney und Ringo Starr in die Hauptstadt des Bundesstaats Tennessee, um dort großartige Songs einzuspielen.

Zur Feier jener kreativen Jahre läuft in Nashville derzeit die Ausstellung "Dylan, Cash and the Nashville Cats: A New Music City" in der Country Music Hall of Fame and Museum. Sie wird begleitet von einer herrlichen Doppel-CD mit 36 Songs, die Dylan, Neil Young, George Harrison, Leonard Cohen und viele andere vor Ort einspielten.

Was alle diese Nummern ebenfalls verbindet, sind die Nashville Cats. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine lockere Gang von rund 16 Studiomusikern, die im Hintergrund die Aufnahmen der prominenten Gäste veredelten und die nun auch erstmals ins Rampenlicht rutschen. Studio-Könner wie Charlie McCoy, Wayne Moss, Pete Drake, Kenny Buttrey und Joe South waren Normalsterblichen nie ein Begriff, galten aber unter Musikern als begehrte Asse. Die Ausstellung zeigt ihre Terminkalender: In manchen Wochen spielten sie für drei verschiedene Künstler Alben ein.

Die neue CD macht auch deutlich, mit welcher Raffinesse die Nashville-Studio-Crew den etablierten Gästen zu einem anderen Sound verhalf. Kein Wunder also, dass irgendwann auch einige Ex-Beatles am Telefon waren. George Harrison rief mal persönlich bei dem Produzenten und Steel-Guitar-Meister Peter Drake an - und scheiterte beinahe: "Von wo ruft der an?" fragte Drake. "Aus England", antwortete seine Sekretärin. "Und für wen arbeitet er?" fragte Drake. "Der war bei einer Band namens The Beatles", sagte die Sekretärin - "Ok, stell ihn durch", entschied der Chef.

In Nashville gingen sie die Dinge eben etwas lässiger an.

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