Pop! Wumms, Boim, Tschak... Bandzerwürfnis!

Rolling-Stones-Fans müssen neuerdings damit klarkommen, dass Sir Mick ein glühender Verehrer der Eisernen Lady Thatcher war. Immerhin gibt es die Band noch. Kollegen wie The Clash, Oasis und die Pixies trennten sich schmutzig. Und wer will Daft Punk ohne Helme sehen?

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Detoniert

Bands funktionieren selten als Basisdemokratie. Spätestens wenn sich der erste Erfolg am Horizont abzeichnet, will einer den Ton angeben. Und genauso zuverlässig ist da immer einer, der alles ganz anders sieht. Es sind Sprengsätze, die schon die vielversprechendsten und talentiertesten Bands detonieren ließen. Als Paradebeispiel dienen da immer noch die Beatles oder zuletzt Oasis. Die Online-Ausgabe des US-"Rolling Stone" hat nun zehn besonders schmutzige Band-Zerwürfnisse aufgelistet. Dabei sind die Punk-Rock-Ikonen von The Clash, die sich uneins darüber waren, ob es noch Punk ist, in Stadien aufzutreten. Auch The Smashing Pumpkins sind aufgelistet mit dem dauergereizten Chef Billy Corgan. Vielleicht wäre einem manche Band besser in Erinnerung geblieben, wenn sie rechtzeitig das Handtuch geschmissen hätte - hätten sich, nur zum Beispiel, die Rolling Stones nicht ein Beispiel nehmen können an den Beatles? Oder wenigstens an Oasis?

Desillusioniert

Rolling-Stones-Verehrer müssen dieser Tage ohnehin tapfer sein: Mal abgesehen von irrwitzigen Ticketpreisen und der grundsätzlichen Frage, wann eine Band den Stecker ziehen sollte, sorgt nun noch Mick Jaggers Bekenntnis zu Maggie Thatcher für Ungemach. In einem Interview mit dem Fachblatt "Q" räumte der 69-jährige Rock-Lurch ein, die durchaus umstrittene, vor kurzem verstorbene Ex-Premier-Ministerin gemocht und mehrfach privat getroffen zu haben. Man kann nun entsetzt oder auch beeindruckt sein von Sir Micks Offenheit. Vermutlich würden sich viele Rock-Fans wünschen, nicht zu erfahren, wen ihre Idole politisch ins Herz geschlossen haben. Auch Velvet-Underground-Liebhaber müssen nun mit dem Wissen leben, dass deren ehemalige Schlagzeugerin Moe Tucker der erzkonservativen Tea-Party nahesteht. Letztlich muss man solches Wissen von der Musik trennen. Oder nicht?

Programmiert

Sir Micks alter Kumpel Sir Paul McCartney macht jetzt EDM (Electronic Dance Music). Mit einem Italiener, der bereits Britney Spears und Pink remixte, programmiert der 70-jährige Ex-Beatle Electro-Beats. Zu bestaunen ist das hier.

Informiert

Die Großmeister aller elektronischen Popmusik sind immer noch Kraftwerk. Seit geraumer Zeit führen diese Phantome aus Düsseldorf ihr Lebenswerk weltweit auf und hüllen sich in Schweigen. Nun plauderte Ober-Roboter Ralf Hütter in einem seiner seltenen Interviews aus, dass ein neues Album tatsächlich in Arbeit sei: Wumms Boim Tschak.

Demaskiert

Auch die derzeitigen Chart-Überflieger von Daft Punk ("Get Lucky") machen gern auf geheimnisvoll und legen ihre Helme nie ab. Nun ja, fast nie. Wer sich die zwei Franzosen mal demaskiert anschauen mag, wird hier fündig.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
DHH 14.06.2013
1. Wo ist da der innere Widerspruch?
Zitat von sysopAPRolling-Stones-Fans müssen neuerdings damit klarkommen, dass Sir Mick ein glühender Verehrer der Eisernen Lady Thatcher war. Immerhin gibt es die Band noch. Kollegen wie The Clash, Oasis und die Pixies trennten sich schmutzig. Und wer will Daft Punk ohne Helme sehen? http://www.spiegel.de/kultur/musik/band-trennungen-mick-jagger-paul-mccartney-kraftwerk-daft-punk-a-905566.html
Macht mir Mick gleich sympathischer... Klingt für mich auch logisch: Wenn Rock (im ganzen weiten Sinne einschl. Punk, Metal plus Kultur, nicht nur Rock'n'Roll-Mucke) eins NICHT ist, dann etatistisch, bürokratisch, sozialistisch und gleichmacherisch; statt dessen steht Rock seit jeher für Individuum, Freiheit, Eigenverantwortung und Misstrauen gegenüber sog. Autoritäten. Damit ist Rock jedenfalls näher an Thatcher dran als an irgendwelchen linken "Progressiven", deren "Fortschritt" nur darin besteht, den Staat auszubauen und den Bürger zu drangsalieren... Oder wie "South Park"-Macher Matt Stone es sagte: "I hate conservatives, but I really f*****g hate liberals"... :-)
Inzineration 18.06.2013
2. optional
So sehr ich Daft Punk für ihre abgespacete Soundkulissen liebe, so sehr langweilt mich das neue Album. Es ist wie ein Verrat an sich selbst. Der ganze mainstreamtaugliche Einheitsbrei macht wohl vor nichts halt.
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