Bayreuth-Nachfolge Nike Wagner provoziert mit neuem Bewerber

Bayreuth brodelt: Nike Wagner bewirbt sich jetzt gemeinsam mit Gérard Mortier um die Festspielleitung. Die Urenkelin des Meisters und der Theatermanager mit Weltruf - ein Duo mit Erfolgsaussichten.


Berlin/Weimar/Bayreuth - Spektakuläre Nachrichten im Rennen um die neue Festspielleitung in Bayreuth: Nike Wagner bewirbt sich gemeinsam mit Theatermanager Gérard Mortier um die Nachfolge Wolfgang Wagners. Mit ihm im Boot steigen ihre Erfolgsaussichten gegen das Duo Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner, die sich ebenfalls um den Chefsessel bemühen. Die gemeinsame Bewerbung wurde dem Stiftungsrat laut Nike Wagner bereits übergeben und liegt nun auf einem Stapel mit der ihrer Cousinen. Das Gremium will am 1. September über die Nachfolge Wolfgang Wagners beraten.

Kulturmanager Mortier: Ausnahmetalent der Szene
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Kulturmanager Mortier: Ausnahmetalent der Szene

Mortier gilt als Ausnahmetalent der internationalen Kulturszene. Der Direktor der Pariser Oper und frühere Salzburger Intendant soll im September 2009 die Nachfolge von Paul Kellogg als General Manager und künstlerischer Direktor der New York City Opera antreten.

Sollte diese Aufgabe zeitlich mit der Festspielleitung auf dem Grünen Hügel kollidieren, würde der 64-Jährige laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Bayreuth vorziehen. Mortier selbst will sich erst nach dem 1. September öffentlich äußern.

Die 63-jährige Nike Wagner - Tochter von Wieland Wagner - kämpft seit Jahren um die Nachfolge ihres Onkels Wolfgang. Wie ihre Cousine Eva Wagner-Pasquier hatte sie sich bereits 1999 um die Festspielleitung beworben. Damals hatte Wolfgang Wagner jedoch seinen Rücktritt verweigert - erst mit der Ankündigung seines Rückzugs nach 57 Amtsjahren wurde der Weg für die Nachfolgeregelung des 88-Jährigen frei.

Eine Zeitlang schien danach alles auf das Duo Katharina und Eva hinauszulaufen. Dagegen kämpft Nike Wagner an, sie will ihre Cousine Katharina als Leiterin verhindern; erst vergangene Woche bekräftigte sie ihre Ambitionen auf den Chefsessel.

Das gilt offenbar nicht für deren Mitbewerberin und andere Tochter Wolfgangs, Eva Wagner-Pasquier. Diese sei laut Nike "herzlich eingeladen", sich an ihrer gemeinsamen Bewerbung mit Mortier zu beteiligen. Beide hatten sich ursprünglich gemeinsam für die Leitung in Bayreuth beworben, bevor sich Eva überraschend der Bewerbung von Katharina anschloss.

Urenkelin Nike Wagner: Will auf den Chefsessel
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Urenkelin Nike Wagner: Will auf den Chefsessel

Nike Wagner hatte Festspielleiter Wolfgang Wagner in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, warf ihm schon 1998 in ihrem Buch "Wagner-Theater" Erstarrung vor. Sie wuchs in Bayreuth auf und studierte Musik-, Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin, Chicago, Paris und Wien. Zurzeit leitet sie das Kunstfest Weimar.

Welche der Wagner-Urenkelinnen das Rennen um die Leitung der Bayreuther Festspiele gewinnt, könnte sich am 1. September entscheiden, wenn der 24-köpfige Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung über die Nachfolge Wolfgang Wagners berät.

Ob dabei schon eine endgültige Entscheidung getroffen wird, ist offen. In dem Gremium sitzen Vertreter des Bundes, des Freistaats Bayern, der Stadt Bayreuth, des Bezirks Oberfranken, der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" sowie der Familie Wagner.

Die "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" wollte die neue Lage noch nicht kommentieren. "Das Konzept liegt uns noch nicht vor, wir müssen es erst lesen", hieß es dazu lediglich. Der Vorstand der einflussreichen Mäzene hat sich bereits seit längerem für die Doppelspitze der beiden Wolfgang-Wagner-Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier ausgesprochen.

bfr/dpa



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