Bayreuther Festspiele Wagner-Nichte fühlt sich hintergangen

Das Ringen um die Leitung in Bayreuth findet kein Ende. Katharina Wagner und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier sollen auf Wunsch ihres Vaters Wolfgang dessen Nachfolge antreten. Seine Nichte Nike Wagner fühlt sich nun ausgebootet - und wettert gegen ihre Cousinen.


Bayreuth/Hamburg - Und noch ein Akt: Zunächst signalisierte Wolfgang Wagner, der 88-jährige Festspielleiter, seine Bereitschaft, sein ihm auf Lebenszeit verliehenes Amt niederzulegen. Überraschend kündigte er außerdem an, nicht nur seine von ihm für die Nachfolge favorisierte jüngste Tochter, die 29-jährige Katharina, solle seine Aufgaben übernehmen, sondern brachte zudem seine Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier, 63, ins Spiel.

Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier, Nike Wagner (v.l.): Wenn zwei sich finden, verliert die Dritte
DPA

Katharina Wagner, Eva Wagner-Pasquier, Nike Wagner (v.l.): Wenn zwei sich finden, verliert die Dritte

Sollte dieser Vorschlag umgesetzt werden, wäre Nike Wagner aus dem Rennen. Eva Wagner-Pasquier hatte ursprünglich geplant, sich zusammen mit ihrer Cousine Nike für eine Nachfolge von Festspielleiter Wolfgang Wagner zu bewerben und dem Stiftungsrat im März ein gemeinsames Konzept vorgelegt. Nike Wagner fühlt sich nun von ihrer Cousine betrogen.

Die 62-jährige ist eine Nichte Wolfgang Wagners, Urenkelin des Komponisten Richard Wagner und Tochter des 1966 gestorbenen Festspielleiters Wieland Wagner. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte sie heute über die Kandidatur der Halbschwestern: "Dass meine Cousine Eva mich hintergangen hat, dürfte klar sein." Ähnlich enttäuscht äußerte sie sich darüber, dass mit der geplanten Konstellation die Familie Wolfgang Wagners - die "Wolfgang-Linie" - die Bayreuther Festspiele dominieren würde. "Klüger, angemessener und interessanter wäre eine Zusammenführung der Linien Wieland und Wolfgang Wagner gewesen," sagte Nike Wagner.

Bereits am Sonntag hatte Nike Wagner im Deutschlandradio erklärt, Eva Wagner-Pasquier sei wohl nahegelegt worden von einer gemeinsamen Bewerbung abzusehen und stattdessen mit Katharina Wagner zu kandidieren. Es sei wohl die einzige Möglichkeit gewesen, ihren Vater Wolfgang Wagner zum Rücktritt zu bewegen.

Noch steht nicht fest, wann die endgültige Entscheidung um die Nachfolge getroffen wird. Im SPIEGEL sagte Toni Schmid, Vorsitzender des Stiftungsrats und Ministerialdirigent im Bayrischen Kunstministerium, man werde keine schnelle Lösung suchen, sondern sich genau an die Satzung halten. "Nachdem wir die Dinge im Fluss haben, wäre es ein großer Fehler, jetzt eine formale Schlamperei zu begehen", sagte Schmid.

Der nächste formale Schritt ist demnach, dass der derzeitige Leiter, Wolfgang Wagner, einen verbindlichen Rücktrittstermin nennt. Dann muss eine viermonatige Bewerbungsfrist für die Mitglieder der Familie Wagner verstreichen. Ein baldiges Ende des Familienstreits ist also nicht in Sicht.

sta



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