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Beatles-Buch: Die fabelhaften Los Grillos

Foto: Christoph Maus

Beatles-Buch Die fabelhaften Los Grillos

Eine Plattenfirmen-Angestellte drückt sich frech aufs Cover, dann wird die Band einfach in "Los Grillos" umbenannt: Die Motive der originalen zwölf englischen Beatles-Werke wurden in fremden Ländern gern drastisch verändert. Christoph Maus hat die Cover gesammelt und als Buch rausgebracht.

Paul McCartney

Ringo Starr

John Lennon

George Harrison

Beatles

Wahrscheinlich könnte man eine ganze, nicht mal so kleine Bibliothek mit den Büchern füllen, die in den vergangenen Jahrzehnten über die fabelhaften Vier aus Liverpool verfasst wurden. Aber seit wirklich jeder noch so absurde Aspekt ihrer Werke und ihrer Biografien mit meist wahnwitziger Akribie aufgelistet, analysiert und einsortiert ist ("Wurde 1967 durch einen Doppelgänger ersetzt?", "Wie viele Koffer mit Baked Beans nahm mit nach Indien?", "Prügelte wirklich in Hamburg einen Seemann zu Tode?", "War vielleicht doch der beste Songwriter der Band?"), macht sich zunehmend gähnende Langeweile breit im -Bücher-Reich. Wer noch Interesse wecken will, braucht eine zündende Idee, aber manchmal sind bekanntlich die einfachsten Einfälle die besten.

Christoph Maus hatte genau so einen Einfall. Der Hamburger Musiker, Kinderbuchautor und Beatles-Experte sammelte und ordnete die Hüllen aller originalen Beatles-Album-Veröffentlichungen von 1962 bis 1972. Herausgekommen ist das Buch "Beatles Worldwide - An Anthology of Original LP-Releases", eine kunterbunte Mischung aus Bilderbuch und Katalog. Mehr als 1100 farbige Abbildungen von Hüllen und Labels hat Maus zusammengetragen, er hat dafür seine eigene Sammlung genutzt und sich von Eigentümern noch gewaltigerer Beatles-Archive unterstützen lassen.

Die Beatles posierten vor dem Shell-Logo

Aber Cover von Beatles-Platten? Das klingt erstmal nicht so prickelnd, weil diese Motive ja auch irgendwie Weltkulturerbe sind und omnipräsent auf T-Shirts, Kaffee-Bechern, Badetüchern und ähnlichem Klimbim. Aber Irrtum! Das Buch ist trotzdem spannend, denn das Tolle, von normalen Sterblichen nie Gesehene, sind hier die Hüllen aus aller Welt: Beatles-Cover aus Ägypten, Uruguay, Venezuela, Australien, den Philippinen, Peru, Chile und gottweißwo.

Die Hüllen stammen aus einer Ära, als die Welt weit weniger vernetzt war, als die Idee eines Internet wie Science-Fiction schien und der Planet noch nicht kulturell globalisiert war.

Heute ist es unvorstellbar, aber damals wurden die Motive der originalen zwölf englischen Beatles-Werke in fremden Ländern gern mal drastisch überarbeitet. Egal ob Deutschland, Italien oder Chile - oft hatten die dort zuständigen Plattenfirmen eine sehr individuelle Vorstellung davon, wie die Beatles-Platten auszusehen hätten. Völlig veränderte Bildhüllen waren keine Seltenheit, wie Maus belegt. In den Niederlanden posierten die Beatles für das "Help"-Cover vor dem Shell-Logo, in Dänemark lachen sie in Winterjacken mit Fellkragen, und für das italienische "I favolosi Beatles" zeigen sie sich im Park. Das sogenannte amerikanische "Butcher Cover," das die Vier mit massakrierten Puppen zeigt und flugs vom Markt genommen wurde, ist unter Sammlern dagegen ein alter Hut.

Noch viel seltener (geschätzte Auflage unter hundert!) ist die modifizierte Version von "Sgt. Peppers", bei der sich amerikanische Plattenfirmen-Angestellte mit ihren Porträts dreist auf der Hülle verewigen ließen. In Singapur wechselte man sogar besorgt drogenverdächtige Songs vom "Sgt. Pepper"-Album wie "A Day In The Life" gegen harmlose Lieder wie "The Fool On The Hill" aus. Ja, mancherorts wurde sogar der Bandname verändert: So setzte man in Argentinien anfangs auf "Los Grillos" statt Beatles.

All diesen herrlich exotischen Details fügt Christoph Maus noch akkurate Diskografien sowie Wertangaben hinzu. Und so gelingt ihm tatsächlich das unterhaltsamste Beatles-Buch seit Ewigkeiten.


Buch Christoph Maus: "Beatles Worldwide". Maus of Music Books ; 372 Seiten; 38 Euro.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.