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21. Februar 2010, 18:04 Uhr

Beatles-Pilgerstätte

EMI dementiert Abbey-Road-Verkaufsgerüchte

Der Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber wird sich nach einem anderen Spielzeug umsehen müssen: Der Musikkonzern EMI will den legendären Tonstudiokomplex in der Londoner Abbey Road doch nicht verkaufen.

London - Beatles-Fans dürfen aufatmen: Der finanziell angeschlagene Musikkonzern EMI ließ am Sonntag wissen, dass er nicht gedenke, die weltberühmten Londoner Abbey-Road-Studios zu verkaufen. In der vergangenen Woche hatte es Verkaufsgerüchte gegeben, die für Furore sorgten; Paul McCartney bot sich als Vermittler an, Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber als Käufer.

EMI betonte nun, dass man ein Angebot in Höhe von rund 34 Millionen Euro bereits im letzten Jahr abgelehnt habe und sich derzeit in Verhandlungen über ein Projekt befinde, das die Studios im Norden der britischen Hauptstadt revitalisieren könne. Details zu den Plänen teilte der Musikgigant allerdings nicht mit.

Eine Vorläuferfirma der EMI hatte 1929 das Gebäude an der Abbey Road Nummer drei gekauft, um es zu einem Tonstudiokomplex umzubauen. Seit 1931 nahmen dort Musiker aller Couleur auf: Jehudi Menuhin kam 1932 als 16-jähriges Geigenwunderkind erstmals in die Abbey Road, seine letzte Aufnahme dort datiert auf das Jahr 1999. Cliff Richard nahm Ende der Fünfziger mit den Shadows die wohl ersten britischen Rock'n'Roll-Songs auf. Im Zweiten Weltkrieg entstanden hier Propaganda-Programme der britischen Regierung. Auch die "Herr der Ringe"-Filmmusik wurde hier aufgenommen.

Berühmt sind die Abbey Road Studios aber natürlich vor allem, weil die Beatles zwischen 1962 und 1969 etwa 90 Prozent ihres Gesamtwerks dort aufnahmen. Zu jener Zeit brachten die Fab Four oft den Belegungsplan durcheinander - andere Musiker mussten warten, bis sie mit ihren Aufnahmen fertig waren. Auch die neu gemasterten Beatles-Wiederveröffentlichungen aus dem vergangenen Jahr wurden hier bearbeitet. In den Siebzigern übernahmen dann Pink Floyd die Rolle der Abbey-Road-Hausband, unter anderem spielten sie ihren Klassiker "Dark Side Of The Moon" hier ein. An diese Tradition knüpften in den Neunzigern Radiohead an, deren Alben "The Bends" und, zumindest teilweise, "OK Computer" in der Abbey Road entstanden. In den letzten Jahren bekam das Studio allerdings zunehmend Konkurrenz durch billigere Aufnahmemöglichkeiten.

tdo/Reuters

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