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Musik-Produzent Robert Stigwood: Riecher für Hits

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Zum Tode von Robert Stigwood Der Mann, der die Bee Gees entdeckte

Er war einer der größten Strippenzieher im Pop: Der Musikmanager Robert Stigwood produzierte nicht nur den Tanzfilm "Saturday Night Fever", sondern auch die Bee Gees. Mit den drei Disco-Boys setzte er Maßstäbe.

Die Karriereaussichten der Bee Gees waren eher trübe, als Robert Stigwood anrief und anfragte, ob sie Lust hätten, auf die Schnelle ein paar Songs für einen "kleinen Low-Budget-Film" rauszuhauen. Die Zeit reichte nicht mehr, den Musikern den Film zu zeigen. Stattdessen orderte Stigwood: "Ich will acht Minuten Musik: Aufregung am Anfang, Leidenschaft in der Mitte und noch viel mehr Aufregung am Ende."

Da die drei Gibbs nichts Besseres zu tun hatten, zauberten sie also an einem Wochenende drei Songs: "If I Can't Have You", "More Than A Woman" und "Night Fever". Robert Stigwood, Produzent des Films "Saturday Night Fever" und Manager der Bee Gees, war zufrieden, als er die Musik hörte. Der Rest ist Geschichte.

Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass Stigwood mit dem Blockbuster "Saturday Night Fever" die Bee Gees endgültig in die Champions League der Branche beförderte, Disco zu einem globalen Phänomen machte und die Karriere von John Travolta auf Hochgeschwindigkeit schaltete.

Ein Australier im "Swinging London"

Robert Stigwood war ein Titan, dessen Namen jenseits der Musikindustrie nur Menschen kennen, die das Kleingedruckte auf Plattenhüllen studieren. Der dauerlächelnde Australier war einer der größten und raffiniertesten Strippenzieher in der Geschichte der Popmusik. Er lancierte die Karrieren von Cream, Eric Clapton und den Bee Gees, verantwortete Pop-Film-Blockbuster wie "Tommy", "Grease" oder "Saturday Night Fever" und produzierte Musicals wie "Hair", "Evita" und "Jesus Christ Superstar".

Der 1934 in Australien geborene Stigwood machte sich zu Beginn der Sechzigerjahre auf den Weg nach Großbritannien und landete beglückt und beeindruckt im legendenumwehten "Swinging London". Er liebte Pop, begriff schnell, wie diese Musik an ein größeres Publikum gebracht werden könnte, und kümmerte sich bald mit großer Euphorie um aufstrebende britische R&B-Sänger.

Nach Startschwierigkeiten kam seine Karriere als Manager in Fahrt, als er eine neue Band namens Cream übernahm, die die drei Nachwuchskräfte Ginger Baker, Jack Bruce und Eric Clapton gestartet hatten. Auch Brian Epstein, dem Manager der Beatles, ging Stigwood damals zur Hand.

Der divenhafte Epstein hatte weder Zeit noch Lust, um sich den drei jungen Australiern anzunehmen, die ihn bedrängten, und reichte das Trio namens Bee Gees entnervt an Stigwood weiter. Der erinnerte sich später: "Die Kompositionen der Gibbs waren schonmal brillant, aber ihr Gesang war einzigartig, das begriff ich sofort." Darauf, dass die Bee Gees ihren Weltruhm insbesondere Robert Stigwood zu verdanken haben, wiesen sie selber bei jeder Gelegenheit hin. Stigwood liebte die Musik der drei leidenschaftlich und half ihnen, all die Anfeindungen, denen das Trio im Verlauf ihrer Karriere ausgesetzt war, zu ertragen.

Eindrucksvoller Instinkt für Hits

Damals, zu Beginn der Siebzigerjahre, der wohl erfolgreichsten Zeit in Stigwoods langer Karriere, gründete der Manager auch noch seine eigene Plattenfirma namens "Robert Stigwood Organisation" oder, kurz, "RSO-Records". Dort erschienen unter anderem die Soundtracks zu "Fame", "The Empire strikes Back", "Grease" und "Saturday Night Fever". Dass die beiden letztgenannten zu den erfolgreichsten Platten des Jahrzehnts wurden, passte zu dieser Karriere der Superlative.

Robert Stigwood setzte als Popmanager Maßstäbe, weil er seinen Klienten eine Rundum-Betreuung bot, wie es sie bis dahin nicht gegeben hatte. Er kümmerte sich nicht nur um ihre Finanzen, sondern auch um die Produktion der Platten, die Songauswahl, die Verlagsrechte, PR-Kampagnen und die Konzerte. Dazu kam sein eindrucksvoller Instinkt für Hits.

Natürlich war auch Robert Stigwood nicht unfehlbar. Nur, dass seine Flops eben auch größer waren als die Norm. In den Sechzigern wäre er nach einer schiefgelaufenen Chuck-Berry-Tournee fast für immer im Aus gelandet. Und in den Siebzigerjahren landete er nach "Saturday Night Fever" mit einem seltsamen Beatles-Film-Musical namens "Sgt Peppers Lonely Hearts Club Band" einen atemberaubenden Flop.

Auch die Achtzigerjahre waren nicht sein Jahrzehnt. Damals zog er sich langsam aus der Branche zurück. Den Bee Gees blieb er verbunden. Es war dann auch sein Patenkind Spencer Gibb, Sohn von Robin, der nun via Facebook verkündete, dass Robert Stigwood im Alter von 81 Jahren verstorben ist.

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