BMG Pay-per-play - Musik hören ab 29 Pfennig

Noch vor den bisherigen Vorreitern von Universal Music startet die BMG im September als erste große Plattenfirma eine eigene Musik-Vertriebsplattform im Internet. Die Preispolitik bedarf jedoch der Überarbeitung.


Homepage von musicdownload24.de

Homepage von musicdownload24.de

Köln - Chartstürmer wie Guano Apes, Kelly Family, Peter Maffay oder Eiffel 65 wird die Bertelsmann Music Group (BMG) ab September unter www.musicdownload24.de online vertreiben. Zunächst wird das Label in Zusammenarbeit mit Lycos und Digital World Service, die sich um die Verwaltung der digitalen Rechte kümmern, rund 100 Songs anbieten. Nach einer dreimonatigen Anlaufphase soll auf 300 Titel aufgestockt werden. Die Preise werden zwischen 29 und 49 Pfennig fürs einmalige Anhören (Pay-per-play) und zwischen 2,99 und 4,99 Mark für den Download und Kauf eines Titels liegen. Für eine selbst zusammengestellte CD würde der User also schon bei einer geringen Auswahl von zehn Songs zwischen 30 und 50 Mark bezahlen, Rohling und Brennzeit nicht mit gerechnet. Eine Preispolitik, die dem Musikfan keine Vorteile gegenüber dem Einzelhandel bietet. Die unterschiedlichen Gebühren errechneten sich aus der Chart-Relevanz oder Exklusivität der einzelnen Songs, heißt es in der Pressemitteilung der BMG. Dazu fänden die Fans Songtexte, Bildmaterial und könnten Konzerttickets ordern. Immerhin, billiger als die ebenfalls mit kommerziellen Downloads experimentierenden Mitbewerber Universal und Sony sind die Bertelsmänner allemal.

Die Universal Music Group (UMG) testet seit einigen Wochen den Vertrieb von bis zu 60 Songs, die in dem so genannten Bluematter-Format über Internet-CD-Shops wie getmusic.com oder music.com für jeweils rund zwei Dollar zum Download angeboten werden. Auch UMG kündigt den Aufbau einer eigenen Online-Vertriebsplattform noch in diesem Herbst an. Bei Sony Music sind die Download-Preise denen von BMG sehr ähnlich. Auch hier zahlt man zwischen 2,99 und 4,99, jedoch keine D-Mark, sondern Dollar. Eine eigene Plattform gibt es bei Sony unterdessen nicht, die raren Downloads muss man sich auf der Homepage des Labels zusammensuchen.

Die Songs aus dem musicdownload24-Angebot sind mit dem Audio-Codex AAC komprimiert, der angeblich einen besseren Klanggenuss als beim herkömmlichen MP3-Format garantieren soll. Lycos Europe liefert für das Projekt den Mediaplayer Sonique, der es Usern ermöglichen soll, Audio-Inhalte in verschiedenen Formaten aus dem Internet herunterzuladen und anzuhören. Zur Nutzung des Angebots von musicdownload24 muss ein so genanntes Starter Kit inklusive Installations-CD bestellt werden.

Mit weiteren Labels, dem Einzelhandel und anderen Anbietern sei man bereits im Gespräch über ein kompaktes, attraktives Gesamtangebot. "Wir müssen uns dagegen wehren, dass jeder glaubt, Musik müsse kostenfrei ins Netz gestellt werden", sagte BMG-Präsident Thomas Stein am Donnerstag auf der Kölner Popkomm bei der Vorstellung des Pilotprojektes.

Es sei klar, dass das Angebot einer einzelnen Plattenfirma die Fans nicht von illegalen Kopiermöglichkeiten weglocken wird. Die Rechtslücken müssen geschlossen werden, aber auch die gesamte Musikindustrie müsse mitmachen, forderte Stein.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.