Fotostrecke

Nobelpreis für Bob Dylan: Kein Wort beim Konzert

Foto: © Mario Anzuoni / Reuters/ REUTERS

Literaturnobelpreis Hat Bob Dylan abgeschrieben?

Bob Dylans Nobel-Vorlesung zu "Moby Dick" soll ein Plagiat sein, das behauptet eine amerikanische Journalistin. Als Vorlage soll ausgerechnet eine Interpretationshilfe für Schüler gedient haben.

Bob Dylan ließ sich in seiner langen Songschreiberkarriere von verschiedensten Quellen inspirieren. Kritiker haben zum Beispiel immer wieder darauf hingewiesen, dass "All Along the Watchtower" von einem Kapitel im Buch Jesaja des alten Testaments inspiriert sein könnte. Der Meister bedient sich aber auch bei simpleren Werken.

Die amerikanische Autorin Andrea Pitzer will erkannt haben, dass Dylan sich in seiner offiziellen Nobelpreis-Vorlesung (eine Pflichtveranstaltung für alle Gewinner, zumindest wenn sie das Preisgeld wollen) aus einer Interpretationshilfe für Schüler bedient haben soll. Dylan sprach in der "Nobel Lecture in Literature" über drei Bücher, die seine Kindheit prägten: Die "Odyssee", "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque und "Moby Dick" von Herman Melville.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In seiner Vorlesung zitiert Dylan immer wieder Textstellen, die so in "Moby Dick" angeblich nicht vorkommen. Tatsächlich aber scheinen sie, so Pitzers These, von der Website SparkNotes genommen zu sein, dem Online-Äquivalent der "CliffsNotes", einer berühmten amerikanischen Reihe von Interpretationshilfen für Schüler (vergleichbar mit der Interpretationshilfe von Reclam).

In einem Artikel für Slate hat Pitzer die Auszüge aus Dylans Vorlesung den Ausführungen in SparkNotes gegenübergestellt. Hier zu sehen .

Künstlerische Kollage?

Es ist nicht das erste Mal, dass Dylan der Vorwurf gemacht wird, sich ausgiebig an anderen Quellen zu bedienen. Die Frage, ob es sich in seinem Fall um Diebstahl oder künstlerische Kollage  handelt, ist nicht endgültig geklärt. Im Falle der Nobel-Vorlesung könnte auch Faulheit eine Rolle gespielt haben. Dylan schien nicht sonderlich erpicht auf den Preis.

Seine Vorlesung reichte er denkbar knapp, fünf Tage vor Ablaufen der Deadline, bei der Schwedischen Akademie ein. Deren Sprecherin Sara Danius nannte die Rede in einem Blogeintrag "außergewöhnlich und, wie man erwarten könnte, eloquent". Auch in den Medien wurde die Vorlesung gelobt und gefeiert.

Vielleicht ist Bob Dylan aber auch überhaupt nicht faul - sondern hat einfach einen besonderen Humor.

gia
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.