Skandal-Rap "Stress ohne Grund" Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Bushido

Auf dem Index war der Rap-Song "Stress ohne Grund" schon. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen Bushido erhoben. Dem Berliner Rapper werden Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltdarstellung vorgeworfen.
Bushido Ende Juli, während sein Label durchsucht wurde: Stress ohne Ende

Bushido Ende Juli, während sein Label durchsucht wurde: Stress ohne Ende

Foto: Paul Zinken/ dpa

Berlin/Hamburg - Gerade hat Bushido wieder versucht, die freundliche Seite seines Charakters herauszustellen. "Auch wir sind Deutschland", heißt das Buch, das der Rapper gerade zum Thema Integration veröffentlicht hat - allerdings unter seinem bürgerlichen Namen Anis Mohammed Youssef Ferchichi. Wegen seiner Böser-Bube-Persona droht ihm jetzt aber gehöriger Ärger.

Wie SPIEGEL ONLINE aus Justizkreisen bestätigt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage erhoben gegen Bushido. Das Berliner Amtsgericht prüft diese nun. Gegenstand des Verfahrens ist der Song "Stress ohne Grund", den der 34-Jährige zusammen mit dem Rapper Shindy aufgenommen und auf seinem eigenen Label veröffentlicht hat.

Der Song "Stress ohne Grund" enthält Tötungs- und Gewaltphantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Auch Politiker werden im Song mit heftigen Worten beleidigt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören hatten Strafanzeigen erstattet. Außer den beiden werden auch der Comedian Oliver Pocher und die Grünen-Chefin Claudia Roth namentlich genannt und angegriffen.

Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltdarstellung

Konkret hat die Staatsanwaltschaft zu den Tatbeständen Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltdarstellung ermittelt, sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE und bestätigte damit einen "Bild"-Zeitungsbericht. Diese Ermittlung seien nun abgeschlossen. Das Büro des Abgeordneten Tören erklärte ebenso, dass die Vorwürfe gegen Bushido nun vom Amtsgericht geprüft würden.

Im Interview mit dem Sender N24  hatte Bushido seine Aussagen relativiert. "Ich möchte klarstellen, dass es auf keinen Fall ein Aufruf zu Gewalt sein soll. Es ist natürlich provokant. Ich habe die Mittel genutzt, die mir als Rapper zur Verfügung stehen. ... Ich bin der Meinung, dass Menschen, die jeden Tag Rap hören, wissen, wie man damit umzugehen hat", sagte der 34-Jährige. Als Motiv für das Skandalvideo hatte er eine persönliche Auseinandersetzung angeführt. "Mit Frau Roth und Herrn Tören habe ich schon eine etwas längere gemeinsame Vergangenheit. Ich wurde von ihnen schon öfter öffentlich als Antisemit und Proll-Arschloch betitelt. Das ist jetzt meine Retourkutsche gewesen", so Bushido gegenüber N24. Später ergänzte er: "Wenn ich überhaupt schieße, dann nur mit Wörtern. ... Man muss so offen und ehrlich mit Menschen umgehen, dass man einen Unterschied zwischen Bushido als provokantem Rapper und jemandem mit Migrationshintergrund macht. Ich hoffe, dass die Menschen in Deutschland weiterhin so tolerant sind. Da habe ich sehr großes Vertrauen in die Gesellschaft", so der Rapper.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte den Song anders beurteilt: Der Text von "Stress ohne Grund" wirke verrohend, reize zu Gewalttätigkeiten an und diskriminiere Frauen sowie Homosexuelle, so die Begründung des im Juli indizierten Songs. Seitdem darf die CD nur unter dem Ladentisch an Erwachsene und nicht an Jugendliche verkauft werden. Zuvor war das Album von Shindy, das den Song enthält, auf Platz eins der deutschen Charts eingestiegen.

Ende Juli waren die Büroräume von Bushidos Berliner Plattenlabel im Auftrag der Staatsanwaltschaft von der Polizei durchsucht worden. Ziel der Razzia sei es gewesen, Beweismittel unter anderem zur Entstehungsgeschichte des auf dem Index stehenden Titels sowie zu den Vertriebswegen und bereits erzielten Einnahmen zu finden.

Drei von Bushidos Alben stehen bereits auf dem Index. Zudem sorgte er in jüngerer Zeit auch mit fragwürdigen Geschäftsbeziehungen für Aufsehen. Auf seinem Twitter-Account  äußerte sich der Rapper bis zum späten Dienstagnachmittag nicht zu der neuesten Entwicklung in dem Verfahren. Allerdings hatte der ehemalige CDU-Praktikant dort kürzlich bisher unbekannte Sympathien für Politiker geäußert: "Nächste Woche werde ich die AfD wählen!"

feb/lei
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